Harry A. Arndt - Ein engagierter Läufer, Nachwuchstrainer und Organisator
Harry A. Arndt

Sein sportliches Talent stellt Harry A. Arndt stets mit großer Ausdauer in den Dienst der Allgemeinheit. Für sein Lebenswerk und sein besonderes ehrenamtliches Engagement wurde er zuletzt in Hanau/Main mit dem August-Schärttner-Preis der Sparkassen-Sportstiftung Main-Kinzig ausgezeichnet.

Mit unermüdlichem Eifer stellt der 1936 in Chorab (Polen) geborene Athlet etwa den Schul-Sport-Club SSC Hanau-Rodenbach auf die Beine, der in seiner über 25jährigen Geschichte mehr als 25 Deutsche Meistertitel, etwa 250 Hessen- und über 1000 Meistertitel im Kreis und Bezirk erringt. Darüber hinaus kann der Verein auch Sportler für mehr als 25 Einsätze im DLV-Nationaltrikot bei Europa- und Weltmeisterschaften stellen. Ziel des Vereins - dessen Vorsitzender und vor allem auch Nachwuchstrainer Harry A. Arndt ist - ist die Förderung von Schülern und Jugendlichen im Ausdauersport. Doch auch als Initiator von Laufveranstaltungen macht sich der pensionierte Lehrer für Geographie, Chemie und Sport einen Namen: Zusammen mit Arthur Lambert und Dr. Ernst van Aaken organisiert er den Deutschen Senioren- und Frauenmarathon (1975-1986); 1983 ist er Initiator des ersten Trans-Europa-Laufes von Tarifa an der Meerenge Gibraltars bis hin zum Nordkap am Nördlichen Eismeer. Er begründet den 1. Internationalen Deutschen 100-Kilometer-Lauf; diese Distanz liegt dem Träger des Bundesverdienstkreuzes der Bundesrepublik Deutschland ganz besonders. Ab 1985 organisiert er den 100km-Europa-Cup, 1987 die offiziellen Deutschen 100km-Lauf-Meisterschaften. Eine besondere Anerkennung ist für ihn daher auch die Ernennung zum Ehrenpräsidenten der deutschen Ultramarathonvereinigung (DUV) am 16.11.2002. Deren Gründung nämlich hatte niemand anderes als Arndt selbst im Jahre 1985 vorgenommen. Die Liste dieses beeindruckenden Engagements ließe sich noch lange fortsetzen; beeindruckend sind jedoch auch die sportlichen Erfolge, die er vorzuweisen hat.

(Harry A. Arndt mit Sohn Carsten)

Begonnen hatte Harry A. Arndts sportlicher Werdegang bereits während seiner Schul- und Studienzeit. Für Handball, Fußball und Volleyball begeistert er sich ebenso, wie für den Tischtennisschläger und die Turnmatte. Doch bald merkt Arndt, dass sein Herz dem Laufsport gehört - Hessenmeisterschaften und Medaillenränge bei deutschen und internationalen Seniorenmeisterschaften lassen nicht lange auf sich warten. Mit ihnen reift in ihm der Wunsch nach einer neuen Herausforderung: dem 100-Kilometer-Lauf. In Biel (Schweiz) läuft er 1974 seinen ersten Ultra-Marathon ohne gezielt dafür trainiert zu haben; acht Jahre später stellt er mit 6:49:17 die deutsche Bestzeit ein. Besonders im Ultra-Marathon Bereich stellt er weitere Rekorde auf, die bis heute gültig sind. Darüber hinaus ist Harry A. Arndt, der im DLV-Bundesausschuss Laufen für den Ultra-Marathon zuständig und oftmals gleichzeitig DLV-100-km-National-Teamleiter ist, als einziger deutscher Senioren-Leichtathlet in allen offiziellen Laufdisziplinen von der 800m-Distanz bis hin zum 100km-Lauf in der deutschen Senioren-Bestenliste platziert.

Kraft für seine Leistungen im Sport und sein Engagement im Ehrenamt kann Harry A. Arndt nicht zuletzt aus der Unterstützung seiner Familie schöpfen. Sowohl seine Gattin Sigrid als auch seine Söhne Sascha und Carsten sind vom Laufen fasziniert und überzeugt. Besonders Carsten errang in seiner Jugend- und Juniorenzeit eine Reihe deutscher und Landes-Meistertitel in diversen Laufdisziplinen. Sascha spornt als HLV-Kadertrainer schon seit einigen Jahren die Jugendlichen des SSC Hanau-Rodenbach und die Hoffnungsträger Hessens an. Zahlreiche Erfolge und Titel des Nachwuchses sind schon jetzt der Lohn für sein Engagement.

Noch eine weitere Auszeichnung durfte Harry A. Arndt vor kurzer Zeit entgegennehmen: Zusammen mit seiner Frau Sigrid wurde dem Sportler die IGL-Ehrennadel für 25jährige Mitgliedschaft überreicht. Wir hoffen, lieber Harry, dass Du mit Deinem Engagement und Wissen auch weiterhin die Jugend begeistern kannst und wünschen Dir alles Gute.

M. Reinmuth

Johannes Boege - Mitbegründer des 1. Deutschen Lauftreff 1974 in Dortmund

Im sächsischen Frohburg bei Leipzig im Zeichen des Zwilling geboren, sagt man ihm Intelligenz, Selbstsicherheit, analytisches Denken, einen Schuss Eigenwilligkeit und ungeschminkte Wahrheitsliebe nach. Diese Eigenschaften haben es Johannes Boege im Leben nicht immer leicht gemacht, Achtung bei seinen Mitmenschen hat er sich jedoch damit erworben. Nach der Schule schlug Boege eine Verwaltungslaufbahn ein, die ihn vorerst nach Dresden, später nach dem Polenfeldzug zur Polizeiverwaltung Reichenberg im Sudetenland verschlug. Über Krakau kam er dann in Berlin zum Einsatz, wo er den Russen entkam wie er es ausdrückt. In Westfalen gelandet, arbeitete er nun zehn Jahre in der Landwirtschaft im Sauerland, bevor er zum 1. Juli 1955 in den Dortmunder Verwaltungsdienst eintrat. So wurde Dortmund zu seiner zweiten Heimat. Sportlich vorbelastet, der Vater gehörte zur Frohburger Vorturnerschaft, trat Boege mit neun Jahren in den Frohburger Turnverein ein. Vor der Turnstunde lief er wöchentlich drei Mal um die Kleinstadt Frohburg, um sich das Rüstzeug für seine zahlreichen Gelände- und Waldläufe zu holen. Bei den Turnfesten in Leipzig, auch in Köln (1928) stellten sich bereits Erfolge ein. Als Allrounder pflegte Boege neben dem Laufen das Radrennfahren. Er fuhr unter anderem Rund um Leipzig, Zwickau-Leipzig-Zwickau, Rund um das Vogtland und andere Rennen über teilweise immerhin 200 km mit mal mehr, mal weniger Erfolg. Das Ablegen von Deutschen Sportabzeichen war unter allen deutschen Regierungsformen beliebt, es gehörte ebenso zum selbstverständlichen sportlichen Programm von Johannes Boege, wie sein geliebtes Bergwandern. Die vorwiegend goldenen Abzeichen zeugen von seiner sportlichen Vielseitigkeit. Machen wir einen Zeitsprung. Die Sportstadt Dortmund mit Olympiasiegern, Weltmeistern, Rekordhaltern und vielen sportlichen Großveranstaltungen im Stadion Rote Erde, Westfalenstadion und -halle wurde auch bei der Laufbewegung zum Startläufer. Begonnen hatte es mit Enzio Busche, der Gleichgesinnte unter dem Motto "Lauf Dich gesund" im Sportplatz natur zum Lauftreff bat. Das erregte Aufsehen und plötzlich gab es den ersten Volkslauf mit 70 Teilnehmern. Folgerichtig wurde am 17.03.1974 der erste Lauftreff Deutschlands in Dortmund gegründet. Johannes Boege zählte zu den Gründungsmitgliedern. Aus dem Lauftreff entwickelte sich zwei Jahre später der Laufverein "Viermärker Waldlauf-Gemeinschaft". Doch da war er bereits Mitglied der IGÄL, denn Boege hatte bereits in den 60er Jahren sportlich wieder mit Gehen, Volksläufen und Wandern angefangen, sich aber mit Teilnahmen in der Dortmunder Umgebung und im Rheinland begnügt. Nun war er fast jedes Wochenende, oft an zwei Tagen, sportlich unterwegs. Durch die IGÄL, die Freundschaften zu Hanny und Arthur Lambert und viele andere animiert, begann Johannes Boege eine internationale Karriere. Europa-Bestenkämpfe führten ihn in die Schweiz, nach Rumänien, Teneriffa. Zu Welt-Bestenkämpfen fuhr er zwei Mal nach Japan, diese beiden Marathonläufe in Osaka sowie die drei Teilnahmen am klassischen Marathonlauf von Marathon nach Athen 1974 bis 1976, wobei er zwei Klassensiege erzielte und einmal 6. wurde, zählen zu seinen schönsten Erinnerungen in seinem Läuferleben. Doch das Dortmunder-Läufer-Urgestein Boege setzte seine Laufschuhe auch auf die Straßen und Laufbahnen von Los Angeles, San Diego, Puerto Rico, England, Skandinavien, Honkong, Taiwan, Thailand, Südkorea, Las Vegas, Mexico und andere europäische und überseeische Staaten. Alle aufzuzählen würde dieses Portrait sprengen. Medaillen, Pokale, und Urkunden zuhauf künden von Boeges Erfolgen aus aller Welt. Seine Wohnung ist ein einziges Sportmuseum. Alt werden und jung bleiben durch "Laufen mit Kopf", das hatte ihm Arthur Lambert einst als Tipp mit auf den Weg fürs Leben gegeben. So war Johannes Boege mit 75 Jahren bei den Welt-Bestenkämpfen in Perpignan noch die 10 km in 58:17 Minuten gelaufen. Seinen Abschied vom aktiven Sport, seiner läuferischen Laufbahn, wollte er bei den Welt-Bestenkämpfen in Südafrika 1997 nehmen. Die Reise war schon gebucht. Dazu kam es nicht mehr. Bei der Einfahrt in Bad Arolsen erlitt er am 4. Juli 1997 einen fast tödlichen Autounfall, von dem man ihn nach Wochen ins Leben zurück holte. Seine sportlich gestählte Konstitution hat nach Aussage seiner Ärzte wesentlich dazu beigetragen. Mit seinem hellwachen Geist nimmt er weiterhin Anteil am Leben der IGL und der Dortmunder Laufbewegung. Sport war sein Leben, er trieb ihn als Idealist und aus gesundheitlichen Motiven, was sportlichen Ehrgeiz nicht ausschloss. Dem heute mehr und mehr zum Kommerz verkommenden Sport kann ein Idealist wie Johannes Boege, der in diesem Monat 96 Jahre alt wird, nicht mehr viel abgewinnen. Den Volksläufen gehört jedoch nach wie vor seine Liebe. Die IGL hofft und wünscht, dass er noch recht lange Spaß daran hat.

Heinz-Georg Steinke

Herbert Brandt - Ein engagierter Sportsmann

Spät kommt Herbert Brandt als 42jähriger über das Sportabzeichen zum Laufsport. Er entdeckt schnell, dass er nicht nur an den Veranstaltungen teilnehmen, sondern auch an deren Organisation beteiligt sein möchte: 25 Jahre lang ist er Prüfer für das Sportabzeichen des Deutschen Sportbundes; eine Auszeichnung, die er selbst bereits 33-mal entgegennehmen durfte. Als Kommunalpolitiker engagiert sich Herbert Brandt viele Jahre im Sportausschuss seiner Stadt, in dem er sich um die Belange von zig Sportvereinen bemüht. Auch beim Volkslauf seines Heimatortes Harsewinkel trägt er von Anfang an (seit 1969) - zusammen mit zwei Sportfreunden - die organisatorische Verantwortung.

Als sportliche "Lehrstunde" hingegen bezeichnet Herbert Brandt seinen ersten 50km-Lauf "Rund um Schloss Cappenberg" nach Dortmund, an dem er bereits elfmal teilgenommen hat. Noch beeindruckender jedoch ist seine Bilanz bei den 100km-Wettkämpfen: Insgesamt zwölf mal brachte der engagierte Sportler die Tortur hinter sich - fünfmal absolvierte Herbert Brandt den 10mal10 Kilometer Wettkampf in Hamm, bei dem er 1979 als 51jähriger die Traummarke von zehn Stunden mit 9:36 Std. deutlich unterbieten konnte.

In einem langen Läuferleben ist Herbert Brandt weit herumgekommen: Neben unzähligen Wettkämpfen im Inland, trat er in Oslo, im Schatten der Pyramiden Kairos und in Rumänien an. In europäischen Metropolen wie London, Rotterdam und Lissabon ging er an den Start, ebenso wie in der Russischen Hauptstadt Moskau und im "Big Apple" New York. "Zu jedem Urlaub und bei jeder Reise waren meine Laufschuhe im Gepäck", sagt Herbert Brandt. "In Europa gibt es kaum ein Land, in dem ich nicht gelaufen wäre. Aber auch Thailand hab ich als Läufer erschlossen; in China lief ich rund um den "Platz des himmlischen Friedens" in Peking und natürlich auf der großen Mauer." Die Liste der Länder, die Herbert Brandt als Sportler bereist hat, ließe sich noch lange fortsetzen, am beeindruckendsten war für ihn jedoch der Zieleinlauf in das Olympiastadion von Athen im Jahr 1974: "Kurz vor dem Ziel setzte tosender Beifall ein. Ich wurde von der Frau überholt, die den ersten Platz bei diesem Lauf erringen sollte: Eva-Maria Westphal", erinnert sich Herbert Brandt. "Das ließ meinen Ehrgeiz aufkochen und ich hing mich an ihre Fersen. Den Beifall miterleben zu dürfen, den Eva-Maria Westphal auf den letzten Metern mit mir teilte, war ein großartiges Erlebnis!"

Seit 25Jahren ist Herbert Brandt Mitglied in der IGL; Arthur Lambert hat er noch persönlich kennen lernen dürfen. "Ich war nie der Schnellste bei den Wettkämpfen, aber einiges habe ich in meinen Läuferleben schon erreicht: Insgesamt habe ich zwischen vierzehn- und fünfzehntausend Wettkampfkilometer hinter mich gebracht - ohne ein einziges Mal vor dem Erreichen des Ziels aufgegeben zu haben", erklärt der 75jährige nicht ohne Stolz.

Lieber Sportfreund Herbert Brandt, die IGL wünscht Dir alles Gute und dankt Dir für Dein Engagement für den Sport.

M. Reinmuth

Gerhard Burster - Ein Läuferportrait

Im Alter von 14 Jahren kam Gerhard Burster zum Laufsport. Schon immer zog es ihn zu den längeren Strecken, weil seine Ausdauer größer war als die Schnelligkeit. Große Erfolge konnte Gerhard Burster jedoch nie erringen, und so endete sein Wettkampfsport 1960, als er seine Familie gründete. Durch die Volkslaufbewegung kam er dann Mitte der Sechziger Jahre wieder zum Laufen. Dass da endlich auch einmal die Mittelmäßigkeit von Leistungen gewürdigt wurde, war für ihn ein großer Ansporn. Darüber hinaus war ihm der gesundheitliche Aspekt immer sehr wichtig.

Sein Einstieg zum Marathonlauf erfolgte 1968 bei der ersten Auflage des Schwarzwald-Marathons in Donaueschingen. 1971 startete Gerhard Burster zum ersten Mal beim 100 km -Lauf in Biel, den er seitdem -mit nur drei Ausnahmen- jährlich bestreitet, bisher 28 mal. 1989 folgte dann der erste 24-Stunden-Lauf. 1996 wagte sich Gerhard Burster mit 60 Jahren zum ersten Mal an einen 48-Stunden-Lauf. Seine Bestleistungen sind bei den "kürzeren" Distanzen durchschnittlich; je länger die Strecke, umso besser die relative Leistung: 10.000 m in 41:16 min, Marathon in 3:14 Std, 100 km in 9:17 Std. Beim 24Stunden-Lauf absolvierte er eine Strecke von 195 km, beim 48-Stunden-Lauf 306 km. Beim diesjährigen 48-Stunden-Lauf in Köln vom 13. bis 15.07.2001 gelang Gerhard Burster ein sportlicher Erfolg, von dem er schon als Junge geträumt hatte: Weltrekord!

Das wich zwar von seinen damaligen Vorstellungen erheblich ab, weil er sich nur die Bahn-Leichtathletik vorstellen konnte; jedoch gestaltete sich dieses Ereignis zum Höhepunkt seines Läuferlebens. Mit 283,746 km überbot er den bestehenden Weltrekord im 48-Stunden-Lauf in der Altersklasse M 65 um über 28 km! Es war die Frucht jahrelangen Trainings, entsprechender Lebensweise und einer angeborenen (oder anerzogenen) mentalen Einstellung, eine angefangene Sache auch zu Ende zu bringen. Hinzu kommen noch die entsprechenden Wettkampfbedingungen, das gute Umfeld, die Tagesform, die Ernährung vor und während des Wettkampfes, eine vernünftige Dosierung sowohl des Renntempos als auch der Pausen und nicht zuletzt das innere Gleichgewicht und der Wille zur Leistung. Gerhard Burster gehört seit 1974 der IGL an. Ende 1987 ist er der DUV (Deutsche Ultramarathon-Vereinigung) beigetreten und engagiert sich dort seit 1996 als Seniorenwart. "Ich werde weiterhin ein Durchschnittssportler bleiben, allerdings mit einem einzigen Lichtblick, von dem ich den Rest meines Läuferlebens zehren kann" resümiert Gerhard Burster bescheiden.

Die große IGL-Familie gratuliert ganz herzlich zu seinem Weltrekord und wünscht ihm weiterhin viel Erfolg und Freude beim Laufen.

Georg Reinmuth

Björn Dreisbach: "Der Marathon ist das wichtigste Ding in der Laufwelt..."

Der Sport nimmt im Leben von Björn Dreisbach einen besonderen Stellenwert ein. Neben den eigenen Erfahrungen in fast allen Ballsportarten und dem Ausdauersport, begeistert sich der Medizinstudent für alles, was Profis in ihren jeweiligen Disziplinen an Höchstleitungen vollbringen.
"Ich könnte mir durchaus vorstellen, mich auch beruflich in diese Richtung zu orientieren und mich auf die Sportmedizin zu spezialisieren. Meine persönlichen Erfahrungen mit dem Sport wären dann sicherlich von Vorteil", gesteht Björn Dreisbach. "Dann könnte ich eines Tages vielleicht die Fußballer meines Lieblingsvereines Borussia Dortmund versorgen", lacht er.
Der Fußball war auch der erste Schritt im Sportlerleben des 25-jährigen. Schon als Bambini kickte er für seinen Heimatverein FC Tönisheide im bergischen Velbert. Über zehn Jahre kämpfte er dann - zuerst im Jugendfußball, und später in der ersten Mannschaft als Libero und Kapitän - um Pokale und den Aufstieg seines Clubs. "Eines Tages bekam ich dann allerdings Probleme mit den Knien", erzählt Björn Dreisbach. "Dann war mit Fußball - zumindest auf diesem Niveau - für mich erst mal Schluss." Eigentlich sollte er nach einer notwendigen Operation auf eine Belastungen der Beine ganz verzichten. Allerdings, so erklärt der Düsseldorfer, müsse man sich ja irgendwie fit halten. "Vor allem, wenn man auch ganz gerne mal feiern geht, oder einem guten Essen alles andere als abgeneigt gegenübersteht", gesteht er schmunzelnd.
So begann er 1998 mit dem Ausdauerlauf. Am Anfang noch sehr vorsichtig trainierend, konnte er seine Leistungen jedoch beständig steigern. Der Lohn bestand für Björn Dreisbach in der Erfüllung eines sportlichen Traumes: Beim Köln-Marathon 2001 überquerte der Student die Ziellinie nach 4:00:08! "Der Marathon ist einfach das wichtigste Ding in der Laufwelt", begeistert sich Björn Dreisbach. "Eine solche Distanz zu bewältigen bedeutet für mich schon etwas sehr besonderes." Das Studium zwang ihn danach jedoch zu einer Lernpause; das Lauffieber hat ihn allerdings nicht mehr losgelassen. Drei- bis viermal in der Woche trainiert er mittlerweile wieder. "Schließlich will ich die vier-Stunden-Marke knacken, die ich bei meinem ersten Marathon um wenige Sekunden verpasste.", erklärt er. Im Frühjahr soll es deshalb wieder soweit sein; ein neuer Marathon wird dann in Angriff genommen.
Sein absoluter Traum-Marathon muss allerdings noch etwas warten: Eines Tages aber wird er bestimmt in den Häuserschluchten New Yorks der drei-Stunden-Marke hinterher jagen...

Die IGL wünscht ihm bei der Erfüllung seiner Träume viel Erfolg und auch weiterhin Gesundheit und Spaß im Sport.

M. Reinmuth

Heinrich Hawighorst - Späteinsteiger mit Volkslaufkarriere

Zum Laufsport kommt Heinrich Hawighorst spät und durch puren Zufall. Nach einer Ausbildung bei der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft und der Arbeit beim Rettungsdienst an Nord- und Ostsee legt er eine Prüfung zum staatlich geprüften Schwimmmeister ab. In einem Unterrichtsraum des Schwimmbades seiner Heimatstadt Osnabrück, in dem er darauf einen Anstellung bekommt, entdeckt Hawighorst ein unscheinbares Stück Papier - die Ausschreibung zu einem Volkslauf. "Warum eigentlich nicht?" denkt er und macht sich ans Trainieren. Vor dem Erfolg steht jedoch oft die bittere Erkenntnis, dass einem so leicht nichts in den Schoß fällt: "Nach achthundert Metern ging mir direkt am Anfang die Puste aus", erinnert sich der heute 81jährige. Schnell erkennt er, dass er nichts überstürzen, und sein Trainingstempo am Anfang drastisch reduzieren sollte. Das funktioniert! Erst fünf, dann sechs, dann acht Kilometer sind plötzlich kein Problem mehr. "Und wer acht schafft", denkt Hawighorst zu diesem Zeitpunkt durch die schnellen Erfolge motiviert, "der schafft auch zehn!" Spontan meldet er sich zu einem Volkslauf - seinem ersten - über eine 10km Distanz an; immerhin schon in der Altersklasse M 55. Das stolze Ergebnis: Nach 54 Minuten überquert Heinrich Hawighorst die Ziellinie.

Dies sollte der Startschuss für eine regelrechte Volkslaufkarriere sein. Nicht weniger als 720 dieser Wettkämpfe absolviert der gelernte Maurer in den darauf folgenden Jahren. Zusätzlich geht er bei mehr als 150 Triathlon-Veranstaltungen an den Start. Als sportbegeisterter Läufer tritt Hawighorst 1981 in die IGL ein - einen Entscheidung, über die er sich besonders freut: "Durch die IGL konnte ich an vielen Laufseminaren teilnehmen", sagt er. "Bad Arolsen, Bad Essen, Bad Nauheim und Dersau waren nur einige Stationen. Dreimal war ich bereits mit der IGL auf Teneriffa und habe mit meinen Lauffreunden die wunderschöne Insellandschaft erkundet - natürlich im Laufschritt..." Da kommt in einem Läuferleben einiges zusammen, auch wenn es erst spät beginnt: Über die Jahre hinweg legt Heinrich Hawighorst eine beachtliche Laufstrecke von mehr als 7.500 Wettkampfkilometer zurück, von den Trainingskilometern ganz zu schweigen.

Die Vernunft, mit der Hawighorst schon am Anfang seiner Karriere erkannte, dass man nur durch ausgewogenes Training Erfolge feiern kann, ist ihm auch heute zueigen: "Ich wäre gerne mal einen Marathon gelaufen. Aber eine solche Leistung kann ich in meinem Alter nicht mehr erbringen - das wäre nicht gesund", meint er. Stattdessen nimmt er noch immer begeistert an 5km-Läufen und Wanderungen teil. Walking-Veranstaltungen und das regelmäßige Workout in einem Fitnessstudio runden sein sportliches Programm ab. "Und das Sportabzeichen", bekräftigt Heinrich Hawighorst, "hole ich mir auch noch jedes Jahr."

Lieber Sportfreund Heinrich Hawighorst, Deine Läuferkarriere beweist wieder einmal mehr, dass es nie zu spät ist, auch im Alter von über 55 Jahren mit dem Laufen zu beginnen. Die IGL jedenfalls wünscht Dir weiterhin viel Spaß beim ausdauernden Laufen und Wandern.

M. Reinmuth

Waldemar Hofmann - Ein Vorbild mit Willenskraft

Waldemar Hofmann ist bescheiden, wenn er über seine sportliche Karriere spricht: "Ich bin kein Typ für Spitzenleistungen und Rekorde", erklärt er zurückhaltend. Dabei kann er auf ein bewegtes Sportlerleben zurückblicken, in dem vor allem die ganz langen Distanzen von Ehrgeiz und Durchhaltevermögen zeugen. Wie bei so vielen, beginnt Waldemar Hofmanns Begeisterung für den Sport beim Fußball. Schon mit acht Jahren kickt der nun 80-jährige Fuldataler für den SV Hermannia Kassel. Judo und zahlreiche Auszeichnungen in der Leichtathletik lenken sein Interesse schließlich auf den Ausdauersport.

Bevor Waldemar Hofmann sich mit ganzer Energie dem Sport widmen kann, ereilte ihn jedoch ein Übel, das seine Generation wie nichts anderes prägt: Der Krieg. Als er 1942 in die Wehrmacht einberufen wird, ahnt er noch nicht, was ihm bevorsteht. Drei Jahre währt sein Kriegseinsatz an der Ostfront, der mit seiner Gefangennahme und anschließender Kriegsgefangenschaft endet. Als Waldemar Hofmann heimkehrt, ist er körperlich am Ende; seine Gesundheit ist ruiniert. Doch dies hindert ihn nicht daran, bei der Beseitigung der Kriegstrümmer und dem anschließenden Wiederaufbau zu helfen. Irgendwann macht sein Körper jedoch nicht mehr mit: "Ich bin plötzlich zusammengebrochen, ohne zu wissen, warum", erinnert sich Waldemar Hofmann an seine Erkrankung.

Doch er gibt nicht auf. Nach einem längeren Krankenhausaufenthalt beginnt er - unterstützt von seiner Frau Sophie - zu wandern und zu laufen. "Anfangs war ich noch wackelig auf den Beinen und hatte Mühe, mit meiner Frau mitzuhalten", berichtet er. Doch schon bald beginnt Waldemar Hofmann seine Leistungen zu steigern: Erste Bergwanderungen, dann Berg- und Crossläufe. Schließlich ist selbst die klassische Marathonstrecke für ihn kein Problem mehr. Er wagt sich sogar an die wirklich harten Distanzen heran: In Unna legt er schließlich im Jahr 1971 zum ersten Mal die 100 Kilometer zurück! Eine Distanz, die er in den kommenden Jahren nicht weniger als 54 mal bewältigen wird. Zahlreiche Weltbestenkämpfe, 200-km-Wandermärsche und Rennsteigläufe sind der Beweis für Waldemar Hofmanns ausgezeichnete Form.

Und auch die immer wiederkehrenden gesundheitlichen Probleme können Waldemar Hofmann, der 1996 die Jubiläumsnadel für 25jährige Mitgliedschaft in der IGL entgegennehmen durfte, nicht aufhalten. Mit dem Laufen, so versichert er, habe er "dem natürlichen Verschleiß immer entgegengewirkt". Auch wenn die Ärzte das ein oder andere Mal etwas anderer Meinung sind: Einen Gipsverband, den Waldemar Hofmann vor einem Marathon in Paris verpasst bekommt, lässt er kurzerhand wieder aufsägen! Dieser herrliche Lauf in der französischen Hauptstadt war es ihm allemal wert...

Und nicht nur seine eigene Gesundheit hat Waldemar Hofmann, der im übrigen fast 70 mal mit dem Deutschen, Österreichischen sowie Bayerischen Sportabzeichen und dem Mehrkampfabzeichen ausgezeichnet wurde, durch seinen Einsatz im Sport beeinflussen können. Als Mitbegründer der Reha-Sport-Abteilung des TSV Baunatal motiviert er seit 1986 zahlreiche Menschen durch sein unermüdliches Engagement. Für Waldemar Hofmann ist der Sport darüber hinaus eine Möglichkeit, mit der eigenen Vergangenheit abzuschließen, denn "der Kontakt zu gleichgesinnten Menschen in sportfreundschaftlicher Verbundenheit kann viel zu einer besseren Verständigung weit über die Landesgrenzen hinaus führen".

Lieber Sportfreund Waldemar Hofmann - nur keine Bescheidenheit, denn die wirklich großen sportlichen Leistungen haben nicht immer etwas mit Rekorden und Platzierungen zu tun...

M. Reinmuth

Herbert Keller - Lebenszeit - Laufzeit

Auf ein langes Läuferleben kann Herbert Keller bereits zurückblicken. Unzählige Wettkämpfe über verschiedene Distanzen - bis hin zum legendären Athen-Marathon und der 100-km-Herausforderung von Biel (Schweiz) - hat er absolviert.

Begonnen hat Herbert Kellers sportliche Karriere schon im Jahre 1936. Zu diesem Zeitpunkt richtet sich sein sportlicher Ehrgeiz ganz auf das runde Leder; bei einem Berliner Fußballverein bleibt er bis zu seinem fünfzigsten Lebensjahr aktiv. Nachdem er die Fußballschuhe an den Nagel gehängt hat, beschließt er, sich ganz dem Laufsport zu widmen. Zu diesem Zeitpunkt erfährt Herbert Keller - der seit 1977 Mitglied in der Interessengemeinschaft ist - auch von einer Berliner IGÄL-Gruppe, der er sich begeistert anschließt. "Die anderen Mitglieder der Gruppe ermunterten mich, auch an Lauftreffen außerhalb Berlins teilzunehmen", erinnert sich Herbert Keller. "Zehn Jahre lang fanden sich auf Teneriffa zahlreiche Sportfreunde der IGÄL ein, um auf verschiedenen Laufstrecken ihre Kräfte zu messen. Es war schon ein besonderes Erlebnis für mich, mit diesen - teilweise sehr bekannten und erfolgreichen - Sportfreunden mitzuhalten." Aus dieser Zeit hat sich Herbert Keller seine Lauf-Philosophie erhalten: Durchhalten und gesund ins Ziel kommen!

Während der zahlreichen Marathonläufe im Schwarzwald und den Weltbestenkämpfen der Veteranen in Brügge und Berlin lernt Herbert Keller die IGL-Gründer Arthur Lambert - mit Ehefrau Hanny - und Dr. Ernst van Aaken kennen. "Wirklich tolle Menschen und Sportfreunde", bekräftigt Herbert Keller. "Besonders bewundere ich Ernst van Aaken dafür, dass er sich mit großem Engagement für den Langstreckenlauf der Frauen eingesetzt hat; dies dürfte ihn unsterblich gemacht haben."
Als "Krönung" seiner Marathonläufe empfindet der Berliner seine Teilnahme an dem Lauf, der eine andere Hauptstadt zum Ziel hat: Athen. "Bei 35 Grad im Schatten und immer dichter werden Autoabgasen war dies sicher einer meiner schwersten Läufe und ich brauchte alle Willenskraft um nicht aufzugeben", erzählt Herbert Keller. Dennoch wagt er noch größere Herausforderungen und bestreitet auch die 100km-Distanzen von Unna und Biel. Die ersten 25km davon wurden im Lauftempo absolviert, der Rest im Schritttempo. "Dabei blieben ich und mein kürzlich verstorbener Sportfreund Horst Schöppe trotzdem sieben bis neun Stunden unter der Sollzeit", erklärt er.

Unglaubliches vollbringt Herbert Keller an seinem siebzigsten Geburtstag: Mit eisernem Willen nimmt er am berühmt-berüchtigten Berglauf "Sierre-Zinal" in der Schweiz teil. Bei diesem Berglauf gilt es neben der 32km Strecke auch fast zweitausend Höhenmeter zu überwinden. "Am schlimmsten waren für mich die letzten sechs Kilometer", erinnert er sich. "Glücklicherweise war dieser Teil der Strecke leicht bewaldet; so konnte ich mich von Baum zu Baum den steilen Weg hinaufziehen um dann im Ziel mit einigen Freunden meinen Geburtstag zu feiern.

Lieber Herbert Keller, die IGL wünscht Dir, dass Du noch bei vielen Läufen durchhältst und gesund das Ziel erreichst.

M. Reinmuth

Heinz Helmuth Kohl... boxt sich durch!

Als Heinz Helmuth Kohl vor etwas über einem Jahr an die Startlinie seines ersten Marathonlaufes geht, ist er von den Eindrücken überwältigt: Das Gefühl eine der größten Herausforderungen des Lebens vor sich zu haben; der Anblick von zahllosen "Leidensgenossen", die auf den Startschuss hinfiebern, der klare Himmel, aus dem es endlich nicht mehr regnet und die frische Luft. "All diese Menschen! All die vielen Trainingskilometer der letzten Wochen", so erkennt er "habe ich tatsächlich niemals alleine hinter mich gebracht - einer dieser Sportler war mit Sicherheit immer zeitgleich mit mir auf der Piste!" Vorfreude, Gänsehaut, gleich geht es los...

Ein Marathon ist ein Kraftakt, ein Kampf gegen sich selbst; da muss man sich durchboxen. Kein Problem, denn mit dem Boxen kennt Heinz Helmuth Kohl sich aus. Als 19jähriger wird er von einem Bekannten zum Boxtraining animiert. Er merkt schnell, dass dieser Sport etwas für ihn ist. Viel Training, Ausdauer, Kraft - die ersten acht Kämpfe entscheidet Kohl souverän für sich. Nach nur einem Jahr stellt er sich bei den Rheinlandmeisterschaften im Halbmittelgewicht in den Ring, 1969 wird er Vize-Rheinlandmeister. Auch die Presse wird auf ihn aufmerksam: "Besonders stolz bin ich darüber, dass die Fachzeitschrift Boxsport mir einen Artikel gewidmet hat", berichtet Heinz Helmuth Kohl begeistert. Über 80 Boxkämpfe bestreitet er in der darauf folgenden Zeit. Damals entdeckt er jedoch auch seinen Spaß an einer ganz anderen Sportart - dem Ausdauerlauf. Die Frau seines Cousins ist Läuferin - sie muntert ihn dazu auf, bei einem 10-Kilometer-Trainingslauf mitzumachen. "Ich war zu dieser Zeit bei der Bundeswehr", erinnert sich der gelernte Maurer. "Am Tag davor haben wir irgendeine Party gefeiert und hatten etliche Bierflaschen geleert. Ich wusste gar nicht worauf ich mich einließ und war bei der Zusage wohl noch ordentlich verkatert. Aber kneifen wollte ich ganz bestimmt nicht..." Die Strecke ist für Kohl kein Problem! Nach unter 40 Minuten bleibt die Uhr seines Cousins Heinz, der die Zeit am Streckenrand nimmt, stehen.

Seine Arbeit und die Abenteuerlust kam der sportlichen Karriere von Heinz Helmuth Kohl jedoch in den folgenden Jahren in die Quere: Einige Jahre fährt er als Fernfahrer kreuz und quer durch Europa bis er dann im Alter von 27 Jahren die Straße gegen die Weite des Ozeans, die Räder gegen die Planken unter sich eintauscht - in den folgenden dreizehn Jahren fährt er zur See. Vom Matrosen zum Steuermann und schließlich zum Kapitän bereist Kohl die Meere unter deutscher Flagge. Während er für die Kapitäns-Prüfung büffelt, erkennt er, wie sehr ihm der Sport fehlt: "Ich bemerkte, dass ich ordentlich zugenommen hatte. Zwei Jahre Studium, viel Sitzen, wenig Bewegung - das war nichts für mich!" Also meldet er sich beim Hamburger Boxclub Heros an und beweist den anderen Boxern - die anfangs etwas über seine Pfunde spötteln - schnell, was in ihm steckt: "Die mussten bald feststellen, dass aus dem Brauereipferd ein konditionsstarker Stier mit einer harten Geraden geworden war", lacht er. Als Sparringspartner seines Freundes Harald Six, der zwölf Mal deutscher Amateurmeister und drei Mal Polizei-Europameister war, kann Kohl seine Boxtechnik weiter perfektionieren.

Als Kohl 1986 seine Frau kennen lernt, entschließt er sich, die Seefahrt aufzugeben. Damit hat er endlich wieder genug feste Landmasse unter den Füßen, um regelmäßig die Laufschuhe anzuziehen. Noch im selben Jahr bestreitet er seinen ersten 25km-Lauf in Quickborn. Es folgen zahlreiche Teilnahmen an 10km-Läufen und Halbmarathons. Doch sein größtes Ziel bleibt vorerst noch eine Utopie - der Marathon! Als seine Frau ihm von einer Anzeige in der Zeitung berichtet, nach der bald der Anmeldeschluss zum 18. Hamburg-Marathon sei, entschließt Kohl sich, die Herausforderung anzunehmen. "Zum Glück hatte ich in der condition kurz vorher gelesen, wie man sich auf den Marathon vorbereitet", meint Kohl. Ein Marathon ist ja bekanntlich etwas ganz anderes als zwei Halbmarathons! Und da man nur dann weiß, ob man diese Distanz durchhalten kann, wenn man es eben ausprobiert hat, tastet Kohl sich beim Training vorsichtig vor: " Ab Kilometer 30 habe ich auf den bekannten Mann mit dem Hammer gewartet", erinnert er sich. "Vielleicht sitzt er in den Bäumen dort? Oder hinter der nächsten Kurve? Ganz offensichtlich wollte er mich jedoch nicht besuchen! Aber den musste ich ja auch nicht unbedingt kennen lernen..." Jetzt weiß Kohl, dass er fit ist für seinen Marathon!

Die Stunde der Wahrheit. Das Herz rast und man spürt die Energie der anderen Sportler um sich herum. "Das ist ein Gefühl wie damals - kurz bevor man zu seinem Gegner in den Ring steigt", glaubt Kohl. Endlich fällt der Startschuss. Neben ihm läuft ein Spaßvogel, der einen Kinderwagen vor sich herschiebt; darauf sind Lautsprecher montiert. "Satisfaction" von den Stones läuft, volle Pulle - Mick Jagger gibt alles; die Stimmung ist prächtig! Bei Kilometer 28 kommt Kohl an einer Stelle vorbei, die seine Erinnerungen an Früher wecken: An genau dieser Stelle stand er 18 Jahre zuvor und sah seinen ersten Marathon als Zuschauer. Er erinnert sich, wie er dort steht, die Athleten bewundert. Nun ist er selbst einer von ihnen. "Schon bemerkenswert", staunt er "was sich alles so tut, in einem Leben." Bei Kilometer 38 beflügeln ihn die Anfeuerungen seiner Frau und seiner Töchter - die letzten Kilometer sind ein Klacks. Mit 55 Jahren läuft Heinz Helmuth Kohl seinen ersten Marathon, kurz darauf den zweiten in Köln. Am Ende ist es immer ein Kampf gegen sich selbst, gegen die Uhr, gegen jeden Meter der noch vor einem liegt. Aber kämpfen, das kann Heinz Helmuth Kohl...

M. Reinmuth

Peter Köhn - Ein Sportler der Superlative wird 70

In dieser Ausgabe stellen wir Ihnen einen Sportler vor, der es geschafft hat, sich - wie es eine Zeitschrift einmal treffend formuliert hat - "vom fetten Sack zum Siegertyp" zu entwickeln. Dabei hat er erst relativ spät mit dem Laufen angefangen und ist durch eisernes Training zu einem Spitzen- und Leistungssportler herangereift.

Vom Lauf-Virus infiziert wird Peter Köhn nämlich erst im Alter von 40 Jahren - zu diesem Zeitpunkt ist er übergewichtig und alles andere als sportlich. Er begleitet seinen Sohn regelmäßig zu Volksläufen und entschließt, selbst einmal einen Wettkampf zu bestreiten. Obwohl er damals bei einer Körpergröße von 1,69 m 83 Kilogramm wiegt, wagt er sich im Juni 1972 erstmals an einen 10 km Volkslauf in Gustorf bei Köln heran, bei dem er sich halb wandernd, trabend und laufend nach 59 Minuten über die Ziellinie quält. Viele Mitläufer, die diesen etwas dicklichen Herrn mitleidig belächeln, ahnen nicht, dass sie es mit einem zukünftigen Weltrekordler zu tun haben. Trotz dieses, vor allem durch schmerzende Muskeln bestimmten Erlebnisses ist sein Spaß am Laufen geweckt. Gleich in den nächsten Tagen geht es zum Training hinaus in den Wald. Zunächst läuft er mit seinem Sohn durch den Kottenforst. Dann findet er Trainingspartner vom LC Bonn, die ihn überreden, einmal eine längere Trainingsstrecke mitzulaufen. "Nach 24 km saß ich platt unter der Dusche", berichtet er. "Da hörte ich, wie einer meiner Sportkameraden im Umkleideraum sagte: ‚Wenn der lahme Sack nächstes Mal wieder mitläuft, dann höre ich auf!' Davon ließ ich mich jedoch nicht beirren." Das langsame und ausdauernde Laufen nach der bewährten Trainingsmethode des Mitbegründers der IGL, Dr. Ernst van Aaken, macht Peter Köhn nämlich immer mehr Spaß. Und seine Lauffreunde sollen bald noch merken, wie sehr sie sich in ihm geirrt haben.

Bereits vier Monate später geschieht etwas, was unter Fachleuten eigentlich als unvorstellbar gilt: Peter Köhn läuft in Refrath seinen ersten Marathon und beendet ihn in einer respektablen Zeit von 3:50:38 Stunden. Von nun an geht es Schlag auf Schlag. Seine Leistungskurve steigt kontinuierlich an. Bereits ein Jahr später steigert er in Refrath seine Marathon-Bestzeit um mehr als eine Stunde auf 2:50:18 Stunden. Peter Köhn ein Naturtalent? Diese Frage kann hier mit Sicherheit bejaht werden, doch muss dieses Talent lange in ihm geschlummert haben, denn als Schüler war er wegen "mangelnder Ausdauer" vom Schulsport befreit...

Peter Köhn steigert in den folgenden Jahren sein Trainingspensum. Um sich auf die Wettkämpfe vorzubereiten läuft Peter Köhn, der zu diesem Zeitpunkt der LG Bonn/Troisdorf angehört, monatlich 600-700 Kilometer. Vier Jahre nach seinem ersten Wettkampf in Gustorf erläuft er sich einen Platz in der deutschen Nationalmannschaft der Altersläufer, die in Coventry hinter England und Holland mit einem dritten Platz bei den Weltbestenkämpfen belohnt wird. Bei den Westdeutschen Marathon-Meisterschaften 1977 in Porz steigert der inzwischen 45jährige seine Marathonzeit auf 2:31:46 und unterbietet damit sogar die Qualifikation zur Deutschen Meisterschaft um über acht Minuten. Im Herbst 1977 absolviert er dann drei Marathons in Serie. Den Auftakt macht er in Berlin, wo er mit 2:31:34 Std. seine bis heute gültige persönliche Bestzeit aufstellt. Acht Tage später kommt er beim schwierigen Schwarzwald-Marathon in Bräunlingen nach 2:40:40 Std. ins Ziel. Beim dritten Lauf, zwei Wochen später, läuft er in München nach 2:35:35 Std. nur wenige Minuten über seiner Bestmarke über die Ziellinie.

Auch eine Verletzung, die ihn 1978 weit zurückwirft, kann Peter Köhn nicht stoppen. Bereits 1979 belegt er bei den Senioren-Weltmeisterschaften in Hannover mit einer Zeit von 2:35:21 Std. in der Altersklasse M 45 den 4. Platz. Mit der Mannschaft der Bundesrepublik erreicht er den 1. Platz in der Mannschaftswertung. "Für mich war dies einer der schönsten Erfolge in meiner Laufbahn", erklärt er stolz.

Wer Peter Köhn kennt, weiß, dass er immer wieder neue Herausforderungen sucht. So ist es nicht verwunderlich, dass er sich 1986 mit 54 Jahren, nachdem er in Hamburg den "Hanse-Marathon" in der Alterklasse M 50 in 2:37:50 Std. gewonnen hat, an die für ihn bisher unbekannte 100 km-Strecke herangewagt. Dabei stellt er in Hanau-Rodenbach mit einer Zeit von 7:45:07 Std. seine persönliche Bestzeit auf. "Ich bin mir natürlich bewusst, dass man seinem Körper solche Strapazen nicht allzu oft zumuten kann", weiß Peter Köhn. Bis 1996 bestreitet er deshalb nur fünf 100 km-Wettkämpfe und erlebt dabei den bisherigen Höhepunkt seiner Läuferkarriere: Bei den Deutschen Meisterschaften über 100 km in Rheine/Elten läuft der drahtige Athlet 1993 mit 8:03:52 Std. eine heute noch nicht übertroffene Weltbestzeit in der Altersklasse M 60 und unterbietet den bestehenden Weltrekord eines Franzosen gleich um 21 Minuten! Peter Köhn erinnert sich: "Der Zieleinlauf war phantastisch. Der Streckensprecher hatte mich schon von weitem entdeckt und kündigte mich dann mit den Rufen ‚Weltrekord, Weltrekord' an. Ich gebe offen zu, dass es mir noch heute kalt den Rücken herunterläuft, wenn ich an diese Augenblicke denke, als ich durch ein Spalier jubelnder Zuschauer lief."

Auch in der Altersklasse M 65 ist Peter Köhn, der seit einigen Jahren für den LAV Bad Godesberg startet, scheinbar unschlagbar. So gewinnt er 1997 bei den Marathon-Meisterschaften in Regensburg den Titel der Altersklasse M 65 in der Zeit von 2:59:10 Std., die Deutsche Meisterschaft im 50 km-Straßenlauf in 3:59:44 Std., sowie die Deutsche Meisterschaft im 100 km-Straßenlauf in 9:32:32 Std. mit einem Vorsprung von 39 Minuten vor dem Zweitplatzierten. 1999 siegt er als 67jähriger beim 50 km-Straßenlauf in Hanau-Rodenbach in 3:48:51 Std. und läuft gleichzeitig Weltrekord in dieser Altersklasse.

Besonders wichtig ist für Peter Köhn die Unterstützung eines seiner größten Fans: seiner Frau Anni. "Ohne ihre fürsorgliche Betreuung und Verpflegung wären meine Wettkämpfe sicher mit einem anderen Ergebnis ausgegangen", erklärt er.

Wer nun meint, Peter Köhn sei nur auf der Ultramarathon-Distanz Spezialist, der irrt. So liegen z.B. seine Bestzeiten über 5.000 m bei 16:19 Minuten und über 10.000 Meter bei 33:22 Minuten.

Seit Beginn seiner Läuferkarriere hat Peter Köhn, der seit 1976 der IGL angehört und 2001 mit der IGL Jubiläumsnadel ausgezeichnet worden ist, inzwischen 171.000 Trainings- und Wettkampfkilometer zurückgelegt. Derzeit läuft er 70-80 km in der Woche. Es gibt kaum einen Wettkampf, den er nicht in seiner Altersklasse gewinnt.

Viele IGL´s kennen Peter Köhn und Ehefrau Anni von der IGL-Ausdauersportwoche in Bad Arolsen, an der beide bereits seit vielen Jahren teilnehmen. Dass Peter Köhn nicht nur ein exzellenter Läufer und Sportler sondern auch ein charmanter Gesprächspartner und Plauderer ist, der nicht nur das Laufen in den Mittelpunkt stellt, beweist er immer wieder seinen IGL-Freunden in Bad Arolsen. Hier erfahren seine Sportkameraden von Peter und Anni die neuesten und lustigen Erlebnisse und Episoden mit ihren zehn Enkelkindern, die allesamt von ihrem Sohn - dem eigentlichen Initiator Peters Läuferkarriere - abstammen. Auch rekordverdächtig!

Lieber Peter, die IGL wünscht dir zu deinem runden Geburtstag am 19.08.2002 weiterhin sportlichen Erfolg, sowie viel Glück für die kommenden Lebensjahre; insbesondere noch viel Freude mit deinen Enkelkindern!

Georg Reinmuth

Hanny Lambert - maßgebliche "Mutter der Kompanie" Am 05.10.2002 wurde Arthur Lamberts Witwe 80 Jahre

In der Ausgabe 10 der condition aus dem Jahre 1992 auf Seite 39 war zu lesen:

"Liebe Hanny, es steht Dir ein runder Geburtstag ins Haus, Erfüllung eines weiteren Jahrzehnts Deines intensiv erfahrenen Lebens, denn Du bist eine Frau, die mit beiden Beinen auf dem Boden der Tatsachen steht und die hellwach ist. Du bist mit unserer IG(Ä)L so verbunden, wie nur wenige, die sich -wie Dein Mann Arthur- so für die Belange und Ziele unseres Verbandes eingesetzt haben. Viele Organisationsstrukturen, die Du in Zusammenarbeit mit den IGÄL´s der ersten Stunde geschaffen hast, sind heute noch Grundlage unserer Arbeit und unserer Unternehmungen. Zu diesem Geburtstag möchten wir Dir sagen, wie sehr wir Dir zu Dank verpflichtet sind. Wir hoffen, Du bleibst weiter mit uns verbunden und begleitest die Arbeit dieses Vorstandes mit Aufmerksamkeit. Bleib wie Du bist, Hanny, halte Dich fit. Wir wünschen Dir Gesundheit, Optimismus und Gelassenheit und gutes Gelingen aller weiteren Zukunftspläne.
Der Vorstand der IGL: Ina Wester, Gusthelm Schläbitz, Peter Bayer, Georg Reinmuth."

Familie Lambert 1972

Diese Worte haben auch nach zehn Jahren kaum an Aktualität verloren. Freilich war es ein Jahrzehnt besonderer Belastungen. Der Rechtsstreit um den alten Lambert-Besitz in Wittenberg war für Hanny und ihre Familie eine schwere Belastung. Der Ausgang war unbefriedigend und ließ viele von den Fragen offen, die sowohl Folge eines verlorenen Krieges, als auch Folge langjährigen Besatzungsstatuts und dessen Ablösung durch den Wiedervereinigungsvertrag sind. Hannys Kampfkraft war ebenso beeindruckend wie ihre jetzige Geistesstärke, mit der sie die Zwecklosigkeit solcher ungleichen Auseinandersetzung "wegzustecken" gezwungen ist.
Glücklicherweise hat sie wenigstens hinsichtlich eines anderen langjährigen Ärgernisses unlängst etwas Genugtuung erfahren. Es geht um nicht haltbare Aussagen von Hans Jürgensohn in dem Artikel "Wie die condition entstand", Ausgabe 02/86. Zwei Monate später erschien zwar Hannys Gegendarstellung inmitten anderer Leserbriefe mit der Überschrift "Van Aakens Gründe tiefliegender". Jedoch hielten sich falsche Verdächtigungen, wie spätere abfällige Bemerkungen eines "alten Kämpen" bewiesen, der es freilich hätte besser wissen müssen.
So sei in diesem würdigeren Rahmen eine Stellungnahme des Ehrenvorsitzenden Gusthelm Schläbitz an den IGL-Vorstand vom 22.05.2002 wiedergegeben, für die sich in Bad Arolsen die Zeitzeugen Ina und Klaus Wester, Bettina Schäfer und ich verbürgten. Es geht um das böswillige Gerücht, demzufolge "Familie Lambert" sich aus persönlichen Gründen der condition bemächtigt und dabei Meinrad Nägele aus der Redaktion verdrängt habe. Das ist falsch! Richtig ist vielmehr: "Als 1970 aus den ‚Rundbriefen' die condition entstand, war M. Nägele Redakteur, und die condition wurde zunächst in Köln und später bei einer Druckerei in Solingen/Remscheid gedruckt.
Die Solinger Firma ging in Konkurs, als der Satz für die nächste condition druckreif vorlag. M. Nägele wandte sich an Arthur Lambert mit der Bitte um Hilfe. Da Hanny Lamberts Bruder eine Druckerei besaß, bat Arthur Lambert seinen Schwager um Hilfe, der unter der Bedingung zusagte, die nächste condition dann zu drucken, wenn es seine Kapazitäten zuließen. Der druckfertige Satz wurde dann in einer Nacht-und-Nebel-Aktion aus der insolventen Druckerei herausgeschmuggelt. M. Nägele holte nun Angebote diverser Druckereien ein, um den Druck der condition sicherzustellen. Es beteiligte sich auch Hannys Bruder, der dann von Nägele den Zuschlag bekam. Auf die redaktionelle Arbeit hat Arthur Lambert erst Einfluss genommen, bzw. nehmen müssen, als M. Nägele über Nacht von der Bildfläche verschwand, die condition aber weiter herausgegeben werden musste." (Unterschriften wie oben angegeben). Meine damals ebenfalls unverzüglich eingereichte Berichtigung der fehlerhaften Angaben Jürgensohns wurde von condition-Redakteur Werner Sonntag nicht veröffentlicht.

Zu den Lichtblicken der einstigen "Mutter der (IGÄL-) Kompanie" (so eine Schläbitz-Feststellung) zählten bislang die alljährlichen "Arthur-Lambert-Gedenkläufe" in Wittenberg, von Manfred Kuschel seit 1991 organisiert. Dass Hanny Lambert letztens nicht daran teilnehmen konnte, lag an gleichzeitigen Geburtstagsbesuchen von weither. In ihrem Grußwort zur 11. Durchführung des Gedenklaufes bat sie ausdrücklich um Entschuldigung ihrer Abwesenheit. Zur Ergänzung dieser Laudatio habe ich nochmals sämtliche Ausgaben der condition seit Februar 1970 durchgesehen. Dabei trat Hanny Lamberts Einsatz für die IG(Ä)L deutlich zutage. Voll in die Bresche sprang sie, als ich 1977 die Arbeit in der Geschäftsstelle nicht mehr mit dem erforderlichen Einsatz ausführen konnte, wie es notwenig gewesen wäre. Als erfahrene selbständige Geschäftsfrau bewirkte sie zunächst eine erhebliche Stärkung der finanziellen Basis in Form zunehmender Firmenanzeigen in der condition. Zudem baute sie ein intaktes IGÄL-Büro auf; denn übernommen hatten wir von Köln ein heilloses Durcheinander. Nun funktionierte auch der rege Schriftwechsel mit der stark wachsenden Mitgliederschaft. Wo "die Chefin" (so eine allgemeine Anerkennung) konnte, entlastete sie ihren populären Ehemann zugunsten dessen zunehmenden repräsentativen und redaktionellen Tätigkeiten. Das zeigte sich besonders anlässlich der damaligen alljährlichen IGÄL-Weltbestenkämpfe rund um den Globus. Diese von Wuppertal aus günstig organisierten Sportreisen fanden eine Krönung in den gern wahrgenommenen IGÄL-Treffen auf der Sonnen-Insel Teneriffa.
Auf Grund ihrer hervorragenden ehrenamtlichen Leistungen wurde Hanny Lambert am 15. September 1979 nach einem internationalen Laufwettbewerb am Baldeneysee in Essen die IGÄL-Ehrenmitgliedschaft zuerkannt. Initiator war Walter Schulz aus Mönchengladbach. Weitere Einzelheiten würden den Rahmen dieses nachträglichen Geburtstagsgrußes überdehnen. Sie kommen zur Geltung in der seit 1996/97 begonnenen und jüngst wiederbelebten IG(Ä)L-Chronik auf der Grundlage eines Fakten-Fundus' für die Deutsche Sporthochschule Köln.

Günter Scharf

Klaus-Dieter Lemke - Ein Abenteurer und Läufer

Klaus-Dieter Lemkes Laufgeschichte kann man ohne Übertreibung als rekordverdächtig bezeichnen. 124 Marathonläufe und zwei 100km-Läufe absolvierte das langjährige IGL-Mitglied aus Schwanewede; zwischenzeitlich bis zu zwölf Marathons in einem Jahr. Dabei kam Klaus-Dieter Lemke weit herum: "In 34 Ländern auf der ganzen Welt war ich schon sportlich unterwegs; meistens mit meinem langjährigen Sportfreund Edmund Schlösser. Unter anderem in Brasilien, auf Kuba, in Israel, Tunesien Südafrika und Nepal", erzählt er.

Angefangen hat Klaus-Dieter Lemkes Interesse für den Laufsport im Jahre 1973. Damals konnte er einen Arbeitskollegen, der ihn zum Laufen überredet hatte, beeindrucken, indem er ohne Training seinen ersten 10km-Lauf in 45 Minuten hinter sich brachte. "Seitdem fuhr ich an jedem Wochenende zu einem Volkslauf in der Umgebung. Im darauf folgenden Jahr nahm ich den ersten Marathon in Angriff und kam nach vier Stunden ins Ziel. Ich hatte gewaltigen Muskelkater, aber das Lauffieber hatte mich nun endgültig gepackt", erklärt Klaus-Dieter Lemke.

Seinen schwersten Marathon lief Klaus-Dieter Lemke auf dem "Dach der Welt", im Nepalesischen Himalaja-Gebirge. Dort machte er auch Wanderungen rund um den über viertausend Meter hohen Annapurna und eine Rafting-Tour in einem reißenden Fluss. Unterstützt von einheimischen Sherpaführern wagte er sich sogar auf eine Safari auf dem Rücken eines Elefanten.

Seit einiger Zeit kann Klaus-Dieter Lemke wegen eines Bandscheibenvorfalles nur noch wandern. "Ich versuche mir im Moment mit Akupunkturbehandlungen zu helfen. Auf eine Operation möchte ich - wenn möglich - verzichten", meint er.
Seit nunmehr vierundzwanzig Jahren ist Klaus-Dieter Lemke Mitglied der Interessengemeinschaft. "Ich bleibe der IGL treu bis zum Ende", erklärt er stolz. "Ich hatte immer sehr viel Freude bei den Veranstaltungen der Interessengemeinschaft und würde mir wüschen, dass jedes Jahr möglichst viele Sportler in der Pfingstwoche den Weg zur Ausdauersportwoche in Bad Arolsen finden."

Lieber Klaus-Dieter Lemke, die IGL hatte auch immer viel Freude mit Dir und wünscht Dir noch viele außergewöhnliche Erlebnisse in fernen Ländern.

M. Reinmuth

Alice Martin - Vorsitzende des IGL-Stützpunktes Viernheim wird 50

"Unsere Alice" - so betrachten die Läuferinnen und Läufer des IGL-Stützpunktes Viernheim ihre Vorsitzende Alice Martin - wird sicherlich mit ihren Lauffreunden am 18.10 ihren 50. Geburtstag auf der Laufstrecke feiern. Ihre Freude am Langstreckenlauf entdeckte sie bei einem Start für das DLV-Laufabzeichen, zu dem der unvergessene Kurt Radicke eingeladen hatte. Hier lernte die Viernheimerin, die zuvor noch nie etwas mit Laufen im Sinn hatte, im Kreis der Senioren in der damaligen IGÄL, der Interessengemeinschaft älterer Langstreckenläufer, eine Gemeinschaft kennen, die das beglückende Erlebnis des Langstreckenlaufs verband. Mit den Ehepaaren Radicke und Grelle, mit Adam Müller, Georg Kopp, Gisela Weber, Gisela Bauer, Walter Kiss, Hans Todt und vielen anderen verband sie bald eine herzliche Freundschaft. Das war der Ursprung für das Lauftalent Alice Martin. Die zwanglosen Läufe durch den Viernheimer Erholungswald wurden für sie zu einer Erkenntnis, die ihr Leben wesentlich bereicherte. Die Freude am Laufen in der Gemeinschaft von Gleichgesinnten empfand Alice Martin als eine wesentliche Verbesserung ihrer Lebensqualität: "Man ist gesund, fit und ausgeglichen", bringt sie dieses Gefühl auf einen Nenner.

Ihr Trainingsfleiß wurde belohnt, denn bereits ein Jahr später absolvierte sie für das DLV-Laufabzeichen die Distanz über zwei Stunden. Schließlich bewährte sie sich auch 1991 bei ihrem ersten Volkslauf, zu dem sie mit IGL-Freunden in Rot startete. Inzwischen wurden es viele Trainingskilometer in der Ebene des Viernheimer Waldes und auf den Bergstrecken des vorderen Odenwaldes. Bei den zahlreichen Wettkämpfen, bei denen Alice Martin startete, schlagen 16 Marathon-Läufe, ein 100 km-Lauf in Biel und 17 Ultras besonders zu Buche.

Als Kurt Radicke aus gesundheitlichen Gründen als Leiter des Stützpunktes Viernheim zurück trat, stellte sich Alice Martin für dieses Ehrenamt zur Verfügung und hat seitdem mit Rita Mahner, Helga Alter und Walter Kiss ein engagiertes Führungsteam an ihrer Seite. Mit diesen Freunden wird sie dem Vermächtnis der 1996 und 1997 verstorbenen IGL-Pioniere Irmgard und Kurt Radicke gerecht. Von den 69 Mitgliedern des Stützpunktes Viernheim sind die meisten aktiv, wenn auch nicht alle bei Wettkämpfen. Alice Martin wird mit ihrem Führungs-Team allen läuferischen Erwartungen gerecht und ist ebenso engagiert bei der Förderung der Leistungsträger wie auch der Hobby-Läufer. Sie versteht es, die Mitglieder in eine familiäre Atmosphäre einzubinden, in der sich alle wohl fühlen. Eine kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit rückt die Leistungen bei Wettkämpfen im In- und Ausland ebenso ins rechte Licht wie auch die Leistungen der IGL in Viernheim selbst, wozu regelmäßige Trainingseinheiten für alle unterschiedlichen Leistungsgruppen gehören. Seit 11 Jahren veranstaltet die IGL Viernheim einen "Wohltätigkeitslauf". Mit den Erlösen aus den zurückliegenden Läufen konnte der Bau eines Wohnheims für Menschen mit geistiger Behinderung der Lebenshilfe Viernheim erheblich gefördert werden. Mit dem alljährlichen "Radicke-Gedächtnislauf" wird an die Verdienste des Ehepaares Radicke um den Langstreckenlauf in Viernheim erinnert. Die IGL hilft bei sportlichen Veranstaltungen der Stadt Viernheim und unterstützt durch Streckenposten die Veranstaltung des Viernheimer Triathlon. Besonders beliebt sind die zwei Wandertermine im Jahresprogramm. Mit viel Liebe bereitet Alice Martin alljährlich die Jahresabschlussveranstaltung der IGL Viernheim vor. Auch diesen geselligen Treff möchten die Mitglieder nicht mehr missen. Als eine wichtige Hilfe empfindet Alice Martin die tatkräftige Unterstützung der Viernheimer Aktivitäten durch den Vorsitzenden der IGL Deutschland, Peter Bayer.

Mit besonderem Engagement betreut sie den wöchentlichen Anfänger-Lauftreff, um möglichst vielen Menschen die glückliche Erfahrung zu vermitteln, die sie selbst gemacht hat. Sie ist der gute Geist der großen Läuferfamilie in Viernheim, die mit ihren guten Wünschen zum Geburtstag ihrer Alice ein dickes Dankeschön verbindet für die viele Zeit, die Alice Martin in all den Jahren für die IGL geopfert hat.

Hans Todt

Klaus-Rainer Martin - Ein ganz mittelmäßiger Langstreckenläufer

Klaus-Rainer Martin hat einen Weg gefunden, seinen Spaß am Laufen anderen Menschen zu vermitteln. "Expeditionen an die Grenzen des Ichs - Er- und Bekenntnisse eines mittelmäßigen Langstreckenläufers" heißt das Büchlein (Masuhr Druck- und Verlags GmbH, Reinfeld, ISBN 3-9808106-0-7), mit dem er seine Leidenschaft für den Ausdauersport mit anderen teilen möchte. Wie er zum Laufen kam, wie er den ersten 100km-Lauf erlebte und wie er Marathons in verschiedenen Städten Deutschlands absolvierte, erzählt der Diplom- Sozial- und Heilpädagoge mit einem zwinkernden Auge. Sein Buch - so verrät der Klappentext - soll keine Trainingslehre oder eine Ernährungsfibel für den Langstreckenlauf sein, sondern Erlebnisse schildern, die anderen Mut machen sollen es selbst einmal zu versuchen.

Dabei geht es für Klaus-Rainer Martin nicht um Leistungen und Pokale, sondern nur darum, sich ein wenig mehr Lebensqualität zu erlaufen. Auf dem Siegertreppchen stand er selbst nämlich noch nie. "Autoren wie Werner Sonntag und Rudi Holzberger schrecken mit ihrer erreichten Traumzeiten eher ab, als dass sie dem ahnungslosen Neuling Mut zur eigenen Leistung machen", glaubt der klein Wesenberger. "Vielmehr möchte ich als einer, der als ein mittelmäßiger Ultra-Langstreckenläufer mit nur unbedeutenden Zeiten bei einigen Langlaufveranstaltungen dabei war und ist, den vielen Namenlosen Mut machen, die in der Mitte ihres Lebens auch noch mit dem Laufen beginnen."

Klaus-Rainer Martin, Autor zahlreicher Bücher und Beiträge in Fachzeitschriften der Sozial- und Heidpädagogik, ist nun schon seit über drei Jahrzehnten passionierter Langstreckenläufer und Leistungswanderer. In dieser Zeit absolvierte er unter anderem 100-km-Läufe im Isergebirge, in der ehemaligen Tschechoslowakei und Mecklenburg. Auch die legendären 100 Kilometer von Biel in der Schweiz, Marathonläufe in Berlin und Hamburg und der 76 Kilometer lange Rennsteiglauf im Thüringer Wald hat der im Erzgebirge gebürtige Klaus-Rainer Martin bereits hinter sich gebracht.

Seine Leidenschaft für den Sport versucht Klaus-Rainer Martin auch in seinem Beruf gewinnbringend einzusetzen; als Pädagoge trainierte er jugendliche Autisten mit Erfolg: Gemeinsam mit ihnen bestritt er bereits einen Marathonlauf.

Lieber Klaus-Rainer Martin, wir glauben, dass Deine Leistungen alles andere als nur Mittelmaß sind - denn Dein Engagement für den Sport ist eine Spitzenleistung!

M. Reinmuth

Eckart Quilisch - Läufer und Poet

Eckart Quilisch, 1955 in Göppingen geboren, hatte in jungen Jahren einige Zeit ein deutliches Übergewicht und war in sportlicher Hinsicht ziemlich faul. Bei einer ärztlichen Untersuchung 1976 diagnostizierte sein damaliger Hausarzt einen viel zu hohen Blutdruck (170/100), sog. "essentielle Hypertonie". Diese Nachricht schockierte ihn damals sehr, den sein Arzt eröffnete ihm, er müsse wahrscheinlich sein Leben lang blutdrucksenkende Mittel einnehmen, zumal von elterlicher Seite her eine erbliche Vorbelastung besteht. Diese Diagnose ließ ihn aufwachen und brachte eine Wende. Seine aufmerksamen Eltern schenkten ihm daraufhin das Buch "Bewegungstraining" von Dr. Cooper, dem erfolgreichen Sportmediziner und Astronautentrainer - die Initialzündung für seinen läuferischen Lebensweg. Begeistert vertiefte er sich in diese Lektüre, verschlang ebenso einige Bücher unseres hochgeschätzten Dr. Ernst van Aaken, sowie von Manfred Steffny. Außerdem beschäftigte er sich autodidaktisch mit sportmedizinischen Fragen, und seine Ernährung stellte er konsequent um. Nichtraucher war er ja schon immer.

Mit langsamen Trimm Trab begann Eckart Quilisch im Februar 1977, steigerte allmählich den Umfang, wurde 1979 IGL-Mitglied und kam über seinen Göppinger Lauftreff zum einstündigen Laufabzeichen bis zu den ersten Volksläufen und der Halbmarathondistanz 1980. Sein Marathondebüt gab er 1981 in Leinfelden mit einer zeit von 3:18:39 Std. Die langen Strecken entsprachen am besten seiner läuferischen Begabung, denn für kürzere Distanzen ist er konstitutionell nicht so sehr geeignet. Dies merkte er beim Einsatz für den TSV Adelberg, bei dem er einige Jahre lang als aktives Mitglied bei Volksläufen integriert war. Da das Gesundheitsmotiv seit jeher für ihn im Vordergrund vor einer Leistungssteigerung stand, blieb er von Verletzungen verschont. Probleme mit dem Blutdruck waren seit seinem ersten Marathonlauf kein Thema mehr, sowohl Sport als auch Ernährungsumstellung hatten einen gesunden, vitalen Menschen aus ihm gemacht (Größe: 190 cm, Gewicht: 72 kg, Ruhepuls um 40).
Nach zwölf Läuferjahren -zuvor stagnierte seine Marathonleistung eine Zeitlang auf ca. 3:10 Std.- erreichte er bei seinem 27. Wettkampf in Kandel 1989 seine persönliche Bestzeit von 2:58:38 Std. Sein großer Wunsch, unter drei Stunden zu laufen, hatte sich endlich realisiert. Die Motivation blieb ihm erhalten und es glückten ihm noch einige weitere Läufe im Bereich um die drei Stunden. Es gab in den Jahren natürlich viele wesentlich langsamere Läufe von 3:15 Std. bis zu 3:38 Std. Insgesamt absolvierte Eckart Quilisch, der als Angestellter im öffentlichen Dienst arbeitet, von 1981 bis 1994 44 mal die Marathondistanz. Das sportliche Training durch Wald und Feld bei Wind und Wetter beflügelte seinen Geist und vertiefte seien Liebe zur Dichtung, guter Literatur und Philosophie. Viele Gedanken formten sich bei abendlichen Dauerläufen zu Gedichten, die er in dem Buch "Wenn den Pegasus ich reite" (Fouqué Literaturverlag) niederschrieb.
Eckart Quilisch läuft seit 1995 bewusst keine Wettkämpfe mehr, aber weiterhin regelmäßig ca. 50 km pro Woche, um gewonnene Fitness zu erhalten. "Man darf als Läufer nicht zu einseitig werden; auch kulturelle Dinge bedeuten mir sehr viel" so Eckart Quilisch. Er st jetzt 46 Jahre alt, sein Puls liegt immer noch zwischen 38 und 45 bei einem Blutdruck von 120-130 zu 70-80 und einem Gewicht von 73 kg. Die Blutwerte sind optimal. "Ich hoffe, mit meiner Lebensweise noch lange gesund und leistungsfähig zu bleiben", resümiert Eckart Quilisch abschließend.

Die IGL-Familie schließt sich diesen Wünschen an und hofft, dass durch sein Beispiel viele Mitmenschen zum Langstreckenlauf angeregt werden.

Georg Reinmuth

Gerhard Saamen - 11.000 Wettkampfkilometer in 20 Jahren

Zum Laufen kam der 66jährige Gerhard Saamen aus Leopoldshöhe durch den Rat seines Hausarztes, der ihm vor 20 Jahren aufgrund seiner Bewegungsprobleme das Joggen verordnete. Er nahm an einigen Volksläufen teil und fand Gefallen am Laufsport. Ganz spontan meldete er sich beim Hermannslauf im Teutoburger Wald an, den man eigentlich nur bewältigen kann, wenn man wirklich fit ist. Und Gerhard Saamen war fit. Er war so fit, dass er sich kurz danach bei einem Marathonlauf anmeldete und dabei mit einer respektablen Zeit von 3:30 Stunden das Ziel erreichte. Die vielen Wettkämpfe, die Gerhard Saamen danach absolvierte, können hier nicht alle aufgezählt werden. Nur eines steht fest: im Laufe seiner Läuferkarriere sind immerhin 815 Wettbewerbe zusammengekommen, wobei 234 erste Plätze belegt wurden. Allein im Jahr 2001 hat Gerhard Saamen die beachtliche Anzahl von 50 Wettkämpfen absolviert! Die Laufstrecken reichen von fünf km bis hin zum Marathon, wobei in den 20 Jahren insgesamt etwa 11.000 Wettkampfkilometer zurückgelegt wurden. Wohlgemerkt: Wettkampfkilometer, nicht Trainingskilometer! Die hat Gerhard Saamen gar nicht erst gezählt.
Das interessanteste Jahr war für ihn das Jahr 1997. Hier bestieg er zunächst im Frühjahr als "Trainingseinlage" den 5.895 Meter hohen Kilimandscharo in Afrika und startete dann beim legendären Luxor-Marathon in Ägypten. Danach ging es mit Lauffreunden zu Marathonläufen in der ganzen Welt, von Frankfurt über Kapstadt bis Bali, Australien und schließlich Hawaii, wo er am Ironman-Triathlon teilnahm.
Die Laufsaison 2001 schloss Gerhard Saamen, der für den LC 92 Bad Salzuflen startet, mit dem Titel des Westfälischen Meisters über die Distanz von 11 km ab, die er in 57:16 Minuten in der Altersklasse M 65 gewann. Gleichzeitig sicherte er sich den dritten Platz in der Westdeutschen Meisterschaft. Dieser Lauf in Bergneustadt bei Drolshagen hatte es in sich: ein Höhenunterschied von 400 Meter musste bewältigt werden!
Auch für die Zukunft hat sich Gerhard Saamen, der seit 1985 der IGL angehört und in seiner Freizeit als Ausgleich zum Laufsport gerne aus das Fahrrad steigt, einiges vorgenommen. Im nächsten Jahr will er sich neuen Herausforderungen stellen. So denkt er laut über eine Teilnahme am Peking-Marathon nach.

Lieber Sportfreund Gerhard Saamen, wir wünschen Dir für Deine weiteren Aktivitäten alles Gute und vor allem noch viele Wettkampfkilometer!

Georg Reinmuth

Edmund Schlösser - Globetrotter in Laufschuhen

Es gibt kaum einen Ort, an dem Edmund Schlösser noch keine Spuren im Sande der internationalen Laufstrecken hinterlassen hat. Durch die Täler der Schweiz, die schottischen Highlands oder die rumänischen Wälder; durch Holland, England, Ungarn ist er gelaufen. Der nun 65jährige meisterte läuferisch die schweißtreibenden Temperaturen Marokkos, Tunesiens, Brasiliens und Argentiniens. Die USA, Kanada, Kuba und Puerto Rico bezwang Edmund Schlösser mit seinen Laufschuhen ebenso wie den fernen Osten: Er lief in Korea, in Japan umrundete er den Kawaguchi-See am Fuße des Fujijama, in China ging es über die große Mauer. Keine Frage, dass auch die klassischste aller Strecken auf seinem Laufkonto nicht fehlen darf: Die Marathonstrecke von der Ostküste des alten Attika bis zur griechischen Hauptstadt Athen!

Doch bis es so weit ist, quält er sich bis zu seinem 34. Lebensjahr mit verschiedenen Krankheiten herum. Rheuma, Migräne, alle möglichen Allergien, Neurodermitis und Bronchitis machen ihm schwer zu schaffen. Auch das Wort Sport kennt er bis zu diesem Zeitpunkt nur aus der Zeitung. Erst ein kleines Buch mit der praktischen Anleitung zur Steigerung der Leistungsfähigkeit mit dem Titel "Bewegungstraining" des Astronautentrainers Dr. med. Cooper weckt 1971 sein Interesse und verändert letztlich auch sein Leben.

Zunächst studiert er dieses Buch. Edmund Schlösser erinnert sich: "Vieles leuchtete mir ein und ich probierte die Trainingsmethode aus. Doch die erste Laufprobe schockierte mich, da ich nur 300 Meter weit kam. Die Zunge hing mir aus dem Hals." Trotzdem gibt er nicht auf und beginnt, regelmäßig zu trainieren. Bereits nach einer Woche schafft er 600 Meter, nach zwei Wochen bereits über einen Kilometer. "Von nun an ging´s bergauf!", erzählt er.

Seinen ersten Start ins spätere Läuferleben wagt Edmund Schlösser, der aus gesundheitlichen Gründen langsam auf vegetarische Ernährung übergeht, 1972 bei einem Volkslauf am Möhnesee über fünf Kilometer. Edmund Schlösser: "Das Ziel wurde erreicht und ich freute mich ungemein. Auch den nächsten Lauf über zehn Kilometer überstand ich sehr gut." Die Freude am Laufen hat ihn gepackt und die Strecken werden immer länger. Er steigert sich über die Halbmarathon-Distanz, bis hin zum Marathon in Gießen, den er trotz seiner gesundheitlichen Probleme in 3:15:52 Stunden läuft.

Nun packt ihn der Ehrgeiz. In unzähligen Ländern geht er an den Start und nimmt an vielen Freundschaftsläufen teil. Besonders gern erinnert sich Edmund Schlösser an den klassischen Lauf von Marathon nach Athen: "Nach meinem Zieleinlauf ins Olympiastadion war ich mächtig stolz bei 36 Grad Celsius das Ziel erreicht zu haben." 1975 geht es mit der IGÄL (heute IGL) unter der Leitung von Arthur Lambert zu den 8. Weltbestenkämpfen für Veteranen nach Japan. Die zweite Reise nach Japan folgt 1982. "Dort gab es so viel Regen, dass unser Siegeressen im Hochwasser schwamm" erinnert sich Edmund Schlösser schmunzelnd. Bei einem Lauf in Kuba wohnt er mit Lauffreunden in einem Haus, das einmal dem berühmt-berüchtigten Gangsterboss Al Capone gehörte.
1988 startet er mit seinem Sportfreund Klaus Lemke in Brasilien beim Sao-Paulo-Lauf. Zuvor kaufen sich beide eine Indiokluft; man will der fremden Kultur schließlich seine Ehre erweisen. "Wir haben in diesem Lauf-Dress bei den hohen Temperaturen fürchterlich geschwitzt - Die Zuschauer an der dicht gedrängten Strecke amüsierten sich jedoch köstlich und auch wir konnten uns vor lauter Lachen kaum halten" erinnert sich Edmund Schlösser vergnügt.

Die gesundheitlichen Probleme sind durch den Sport natürlich nicht völlig verschwunden, allerdings sieht Erdmund Schlösser zuversichtlich in die Zukunft. Mit Hinweis auf das Buch von Dr. Ernst van Aaken "Programmiert für 100 Lebensjahre" gibt er - der seit 1974 der IGL angehört und 1999 mit der IGL-Jubiläumsnadel ausgezeichnet wurde - scherzend zu: "Ich würde schon gerne bis 100 geistig und körperlich beweglich bleiben, mit oder ohne Volksläufe; jedoch müsste man dann auf jeden Fall die Altersklassen-Einteilung bis 100 erweitern." Dann zitiert er einen Ausspruch unseres sehr verehrten Dr. van Aaken, der einmal anlässlich eines Paderborner Osterlaufes gesagt hat: "Es kommt nicht so sehr auf die Zeit an, die ein Läufer läuft. Jeder, der das Ziel erreicht, ist ein Held." Und nach dieser Devise möchte Edmund Schlösser sein weiteres Läuferleben gestalten. Mit einer Lebensweisheit Albert Einsteins erklärt er: "Man muss das Unmögliche so lange anschauen, bis es eine leichte Angelegenheit wird. Das Wunder ist eine Frage des Trainings."

Lieber Edmund Schlösser, wir wünschen Dir, dass Du noch bis 100 über die Pisten dieser Welt donnern kannst.

Georg Reinmuth

Wolfgang W. Schüler - Sozialpädagogische Intervention durch Sport

Als Wolfgang W. Schüler das erste Mal an einem Volkslauf teilnimmt, ist er gerade einmal neun Jahre alt. Vom Vater kurzerhand beim Wettkampf angemeldet, empfindet der Wiesbadener die für sein Alter vorgegebene Laufdistanz von tausend Metern als zu kurz, zu schnell. Selbstbewusst entschließt er sich, längere Strecken in Angriff zu nehmen. Trotz der nachdenklichen und tadelnden Blicke einiger Lauf-Veranstalter mischt Schüler sich selbstbewusst unter die erwachsenen Wettkämpfer - und fühlt sich spontan bestätigt: Mit dem Mittelfeld kann er locker mithalten; oft überquert er die Ziellinie sogar eher als das Hauptfeld. Nur wenige Jahre später meistert Wolfgang W. Schüler als Jugendlicher erstmals die magische Distanz: Einen Marathon!

Zurückblickend bewertet der nunmehr 45jährige den Einstieg ins Sportlerleben als einen wichtigen Schritt in seiner persönlichen Entwicklung: "Regelmäßig ausdauernd und genügend intensiv zu laufen empfand ich als eine effektive Methode, um mich körperlicher und mentaler Fähigkeiten zu vergewissern und diese schrittweise auszubauen", erinnert er sich. Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper, und obendrein Selbstdisziplin und Zielstrebigkeit. "Objektiv betrachtet", so meint Wolfgang W. Schüler, sei damit ein "intensiver Prozess der Selbsterziehung" in Gang gesetzt worden. Von dieser Erkenntnis profitiert er nicht nur sportlich - in den folgenden Jahren entdeckt der Diplom-Sozialpädagoge immer mehr, wie sinnvoll er den Ausdauersport mit seinem Beruf in Verbindung bringen kann.

Als Wolfgang W. Schüler in einem Heim für verhaltensauffällige Kinder arbeitet, bemerkt er, wie leicht die jungen Menschen für den Ausdauersport zu begeistern sind - und noch wichtiger: dass der Sport die Kinder bei der Überwindung ihrer Verhaltensdefizite bekräftigt. Der Laufsport als nutzbringendes Erziehungsmittel? Überzeugt von den therapeutischen Möglichkeiten des Laufens fängt Wolfgang W. Schüler an zu forschen: In der Praxis animiert er die Jugendlichen zum Sport, für den theoretischen Unterbau durchforstet er die Fachliteratur nach Hinweisen auf mögliche Therapiemöglichkeiten. Und tatsächlich: Einige der auffälligen Verhaltensweisen der Kinder sind am Ende des Laufprogramms deutlich abgeschwächt, andere sind vollkommen verschwunden! Im Jahr 1991 legt Schüler mit "Sozialpädagogische Intervention durch Sport" die erste deutschsprachige Forschungsarbeit vor, die sich intensiv mit der Erziehungsrelevanz des Dauerlaufs beschäftigt. Später entwickelt er seinen pädagogischen Ansatz zu einem therapeutischen weiter: "Lauftherapie bei verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen" (Oberhaching 1996) heißt seine Arbeit, mit der er den Grundstein für eine intensive Beschäftigung mit dem Laufsport unter therapeutischen Vorzeichen legt.

Als Dozent beim Deutschen Lauftherapiezentrum in Bad Lippspringe kann Wolfgang W. Schüler mit dem Lehrgebiet "Lauftherapie mit Kindern und Jugendlichen" weitere Forschungen anstellen, zusätzlich bietet er Seminare und Workshops zum Thema an und publiziert Artikel. Doch auch seine sportlichen Erfolge können sich sehen lassen: Die 25 Kilometer in 1:36:39 Std.; Marathonbestzeit: 2:56:49 Std.; 100-Kilometer Ultramärsche - Wolfgang W. Schüler legt tausende von Kilometern im Laufschritt zurück, ohne jedoch sein eigentliches Ziel aus den Augen zu verlieren: Gesund bleiben - durch den Ausdauersport!

Lieber Sportfreund Wolfgang W. Schüler, die IGL wünscht Dir auch weiterhin viel Erfolg und hofft, dass viele Jugendliche und Kinder von Deiner Arbeit profitieren.

M. Reinmuth

Jacques Serruys im Ruhestand - Eine Ära geht zu Ende

Es ist dies der Zeitraum, der in den 60er Jahren begann, der Zeitraum in dem sich der Veteranensport aus regionalen, dann nationalen Anfängen zu einer großen internationalen und weltweiten Bewegung entwickelte.

Jacques Serruys steht in einer Reihe mit Dr. Ernst van Aaken, Josef Moc (Tschechei), dem Japaner Hideo Okada, dem Schweden Olle Wallin und unserem Arthur Lambert, womit nicht alle genannt wurden, die vor mehr als 35 Jahren der Veteranen-, Masters- oder Seniorensportbewegung in die Laufschuhe halfen.

In Deutschland entstand die IGÄL, in den europäischen und Überseeländern entstanden auch Verbände, die speziell die Interessen der Seniorensportler/innen wahrnahmen. In Japan und der Bundesrepublik entstanden diese Interessengemeinschaften außerhalb der nationalen Leichtathletikverbände, während in fast allen anderen Ländern die Seniorensportler ihre Interessen unter dem Dach der nationalen Sportverbände vertraten. Belgier, Deutsche, Japaner, Schweden und Tschechen bildeten dann den Kern der Welt-IGÄL (WIGÄL), zu deren Gründern Jacques Serruys gehörte, und deren Vorstand er von Beginn an angehörte, zunächst als Vizepräsident, dann, nach Arthur Lamberts Tod, als Präsident.

Als die WIGÄL 1988 in Korea mit der Veteranenorganisation (WAVA) des Internationalen Leichtathletikverbandes fusionierte, wurde er deren Vizepräsident und wenig später Präsident des europäischen Seniorensportverbandes (EVAA, heute EMA).

Jacques Serruys war ein glänzender Organisator. Der von ihm ins Leben gerufene Straßenlauf in Brügge hat heute Kultstatus; die von ihm als WIGÄL-Präsident verantworteten Wettkämpfe in Vancouver (Kanada), Netanya (Israel), Kyong-Ju (Südkorea), Perpignan (Frankreich) und Karlovy Vary (Tschechien) werden den Teilnehmern ebenso unvergesslich sein, wie die Seniorenweltbestenkämpfe, an deren Organisation er als Vizepräsident der WIGÄL maßgeblich beteiligt war, wie San Diego (USA) und Palmerston North (Neuseeland), um nur die wichtigsten zu nennen.

Als Auslandsbeauftragter der IGÄL, und später als Vizepräsident der WIGÄL hatte ich Gelegenheit, sein Wirken kennen zu lernen. Seine freundlich-gelassene, unverbindliche Art mit Delegierten und Vorstandskollegen umzugehen, sowie seine Fähigkeit, aufmerksam zuhören zu können, mag von manchem Zeitgenossen als unnötiges Zögern oder gar als mangelndes Durchsetzungsvermögen gedeutet worden sein. Dabei wurde übersehen, dass er ein präziser Analytiker mit einem schier unfehlbaren Gespür für Strömungen und aufkommende Tendenzen in der Seniorenszene war. Das versetzte ihn in die Lage, kontroverse Debatten zu steuern, hochgehende Wogen zu glätten, Kompromissbereitschaft bei den jeweiligen Kontrahenten zu fördern und damit seiner Intention zu folgen: Die Weiterentwicklung des Seniorensports zu steuern. Er hat den Seniorensport nicht nur entscheidend geprägt. Er hat sich um ihn verdient gemacht.

Ich traf Jacques Serruys zuletzt 1991 in Ise (Japan) beim Weltfreundschaftstreffen der Langstreckenläufer, veranstaltet von den Nippon Turtles unter der Präsidentschaft von Professor Kotoh. Uns wurde die Ehre zuteil, mit einem Hammerschlag ein Fass Reiswein zu öffnen. Ich schlug zu heftig: Jacques und ich waren von Reiswein besprüht. Ich hoffe, er hat mir verziehen.

In diesem Jahr hat Jacques Serruys, der seit vielen Jahren IGL-Mitglied ist, die Präsidentschaft des Europäischen Veteranensportverbandes (EVAA, jetzt EMA) aus Altergründen (er ist 77 Jahre alt) niedergelegt. In Dankbarkeit für seine rastlose Tätigkeit wünsche ich ihm noch viele gesunde und zufriedene Jahre im Kreise seiner Familie und seiner engsten Freunde.

Übrigens wählten die EMA-Delegierten den Vizepräsidenten des DLV und IGL-Mitglied Dieter Massin zu seinem Nachfolger. Jacques wünschte ihm für dieses Amt viel Glück und immer gutes Gelingen. Dem möchte ich mich anschließen.

Gusthelm Schläbitz

Georg von Schablowsky - ein Läuferportrait

Es war einmal ein Architekt, der 16 Stunden am Tag im Büro arbeitete und 82 kg wog. Bei einer Routineuntersuchung wurde ihm zwar Gesundheit bescheinigt, gleichzeitig aber vorausgesagt, dass er bei Fortführung seiner Lebensweise mit gesundheitlichen Schwierigkeiten zu rechnen habe. So weit wollte es der damals 50-jährige Georg von Schablowsky nicht kommen lassen. Er kaufte sich gute Laufschuhe und die entsprechenden Bücher und begann zunächst langsam zu joggen. Zur Erleichterung und Beschleunigung der Gewichtsreduktion absolvierte er mehrere Segelkurse auf Mallorca mit harter Muskelarbeit auf dem Wasser, vielen heißen Wannenbädern zum Aufwärmen (März) und mediterraner Kost. So wurde er allmählich ein überzeugendes Beispiel dafür, dass sich auch ein gänzlich untrainierter Körper durch regelmäßige Bewegung an der frischen Luft und eine bewusste Ernährung bestens regenerieren kann. Mit abnehmendem Gewicht nahm die Freude am Laufen ständig zu und nach einjähriger Vorbereitung läuft er 1980 seinen ersten Marathon unter drei Stunden. Seine Bestzeiten in der Klasse M 55: 10 km 35:41 Min., 25 km 1:33:25 Std., Marathon 2:43:36 Std. 100 km 8:05:33 Std.; das ist eine Bestzeit, die vor ihm kein 56-jähriger weltweit erreicht hat. Bei den weiteren Marathonläufen: M 60 Europa Veteranen in Verona Platz zwei; M 65 Berlin Platz eins; zum 100. Boston-Jubiläum Platz zwei. Auch beim Triathlon stand er verschiedentlich mit auf dem Treppchen. Nach dem Motto: "Zum Laufen ist man nie zu alt, solange man sich fit hält und Spaß daran hat" ist der heute 75-jährige, der seit 1984 der IGL angehört, dem Sport treu geblieben und errang im Herbst 2001 bei drei Wettkämpfen in seiner Altersklasse die Goldmedaillen und den Titel Deutscher Meister (10.000 m, 10 km und Marathon). An seiner Freude am Sport und seiner Fitness partizipiert auch seine Frau Eva-Maria, die nach ihrem Buch HILFE - MEIN MANN LÄUFT in ihrem neuesten Buch LÄUFT IHR MANN AUCH? in humorvoller Weise das Umfeld eines Läufers beschreibt.

Georg Reinmuth

Karl Wilhelm Schneider - Läufer und Naturfreund

Man sagt den Langstreckenläufern im allgemeinen nach, sie seien Individualisten und Naturliebhaber. Diese Aussage trifft in besonderem Maße auf den Wiesbadener Karl Wilhelm Schneider zu, der im August seinen 73. Geburtstag feiern kann. Schon in jungen Jahren zieht es Karl Wilhelm Schneider, von seinen Sportfreunden kurz K.W. genannt, in Wald und Flur. Hier fühlt er sich wohl. "Wenn sich meine Freunde früher rauchend auf der Straße oder in der Kneipe trafen, habe ich es vorgezogen, in den Wald zu gehen, dort zu wandern und die Natur zu beobachten" erinnert sich Karl Wilhelm Schneider.

Als Ende der 60er Jahre die Jogging-Welle nach Europa schwappt, nimmt K.W., der nach dem zweiten Weltkrieg als Zimmermann an vielen Wiesbadener Bauten mitgewirkt hat, erstmals 1968 an Volkswanderungen und Volksmärschen teil, die bereits einen gewissen Wettkampfcharakter aufweisen. Diese Art des sportlichen Kräftemessens macht ihm so viel Spaß, dass er 1969 mit dem intensiven Lauftraining beginnt und sich an Volksläufe heranwagt. Er trainiert kontinuierlich seine Ausdauer und erlebt 1976 seinen sportlichen Glanzpunkt: Beim klassischen Lauf von Marathon nach Athen belegt er unter tausend Teilnehmern aus 20 Nationen den 111. Platz in der Gesamtwertung und den dritten Platz in seiner Altersklasse. "Es war ein einmaliges Glücksgefühl, als ich in Athen durchs Marathon-Tor lief und mir ein Kranz aus Ölzweigen aufs Haupt gesetzt wurde" erinnert sich K.W. Schneider. Im nächsten Jahr wandert er über den Rhein-Höhen-Weg etwa 230 Kilometer in sechs Tagen von Wiesbaden nach Bonn. Zwei Jahre später verleiht ihm der Deutsche Volkssportverband den "Goldenen Wanderstiefel". Mit Erfolg nimmt K.W. Schneider, der dem Volkssportverein Wiesbaden angehört, an mehreren 80-km-Nachtmärschen sowie 1978 an den Weltbesten-Kämpfen des DLV in Berlin teil. Inzwischen haben sich bei ihm zahlreiche Auszeichnungen, Pokale, goldene Volkslauf- und Volkssportabzeichen, Medaillen und Teller angesammelt. "Allein die Schachtel mit den Urkunden ist so voll, dass sie nicht mehr zugeht" erzählt K.W. Schneider schmunzelnd.

Karl Wilhelm Schneider - der als Allroundsportler auch Rad fährt, schwimmt, turnt und ein begeisterter Bergsteiger ist - ernährt sich ganz normal. "Ich esse, was der Körper verlangt und worauf ich Appetit habe. Es kann auch mal eine Haxe sein, wobei natürlich hauptsächlich Gemüse und Obst auf dem Speiseplan stehen. Auch trinke ich gerne mal ein Glas Wein - das regt den Kreislauf an", lacht K.W., der auch gerne singt und ein eingefleischter Gotthilf-Fischer-Fan ist. "Der ist auch so ein lockerer Typ wie ich. Dem Meister habe ich sogar schon persönlich zum Geburtstag gratuliert und am Telefon ein Ständchen gesungen", erinnert sich K.W. Schneider. Nachdem ihn die Füße einmal um den Erdball getragen haben, lässt er es jetzt gemächlicher angehen. "Meine Laufleidenschaft hat sich zur Wanderleidenschaft entwickelt, denn ich merke, dass mir der Sport gut tut und die Bewegung in der frischen Luft der beste Arzt für mich ist", so K.W. Schneider.

Die IGL wünscht K.W. Schneider, der seit 1977 der IGL angehört und letztes Jahr mit der IGL-Jubiläumsnadel ausgezeichnet wurde, noch viele erholsame Stunden bei seinen Wanderungen durch Wald und Flur.

Georg Reinmuth

Richard Wick - Ein Läuferportait

Seinen ersten Wettkampf bestritt Richard Wick 1992 bei einem 10-km-Lauf in Nürnberg. Die Atmosphäre der Veranstaltung gefiel dem Einzelhandelskaufmann so gut, dass er beschloss dem Laufsport mehr Zeit zu widmen.
Im folgenden Jahr fand er während seines Grundwehrdienstes in Ingolstadt nach Dienstschluss die Zeit, um regelmäßig zu trainieren. Der Erfolg ließ dann auch nicht lange auf sich warten: Beim jährlichen Bataillonsgeländelauf errang Richard Wick von über 400 Teilnehmern den dritten Platz.
Motiviert von diesem Erfolg begann der Sportler seinen Trainingsaufwand zu steigern und lief am 14. Mai 1995 in München seinen ersten Marathon in 3:09:05 Stunden. Bereits ein Jahr später unterbot Richard Wick die Drei-Stunden-Marke: 2:52:45 Std!


Nach einer neuen Bestzeit bei dem Marathon in Aschaffenburg 1997 (2:40 Std.) gelang dem Lehrberger sein bis dahin größter Erfolg: Platz eins bei dem Hochstiftmarathon in Fulda. Im darauffolgenden Jahr lief Richard Wick vier Marathons; im Jahr 2000 errang er den Vizetitel bei den bayrischen Marathonmeisterschaften in Regensburg. Im selben Jahr unterbot er seine Bestzeit nochmals und erreichte das Ziel beim Baden-Marathon nach 2:34:30 Std.


Im Jahr 2001 schaffte Richard Wick den Hattrick: Mit dem ersten Platz beim Hachenburger Löwenmarathon errang der Athlet seinen dritten Sieg innerhalb eines Jahres, nachdem er bereits beim Schönbuchmarathon in Leinfelden-Echterdingen und beim Koberstädter Waldmarathon in Engelsbach triumphieren konnte.
Für die Zukunft hat sich der 29-jährige trotz seiner beachtlichen Erfolge noch einiges vorgenommen. Zunächst möchte er seine Bestzeit weiter verbessern und sich dann der Herausforderung eines 100-km-Laufes stellen.
Die IGL-Familie wünscht im dabei viel Erfolg und weiterhin alles Gute.

Georg Reinmuth

Monika Winkler - Nachwuchstrainerin, aktive Läuferin und Mutter

Eine Frau mit viel Fleiß und Kampfgeist, pflichtbewusste Mutter von vier Kindern, wohnt in Bad Bevensen. Sie ist gebürtig aus Westfalen und in Läuferkreisen unter ihrem Mädchennamen Pautmeier bekannt. Die 37jährige startete für die Vereine LG Liesborn/Wadersloh, LG Ahlen, LV Oelde, TuS Solbad Ravensberg und ist heute aktive Läuferin beim Post SV Uelzen. Noch bestehen im Jahre 2005 zum Teil ihre einst erzielten Kreisrekorde im Schüler- und Jugendbereich.

Früh übt sich, wer was werden will. Ihr großer Bruder Ludger nahm die damals achtjährige zum Leichtathletiktraining unter der Regie von Hubert Funke, noch heutigem Wurftrainer in Kaiserau, mit. Mit viel Ehrgeiz lief sie als Schülerin die 600 m in 1:46 min, die 800 m in 2:24 min, die 2.000 m in 6:40 min. Im Hochsprung sprang sie als gerade mal zwölfjährige 1.42 m. 1984 startete sie bei den Deutschen Jugendmeisterschaften in Fulda über 3000 m und errang gleichauf mit Sigrid Wennemar von der LG Gütersloh in 9:54,22 min den gemeinsamen siebten Platz. Im Schüler-, Jugend-, Junioren- und Frauenbereich erreichten sie und ihre Zwillingsschwester Maria mehrmals Kreis-, Bezirks- und Westfalentitel. Im Jahre 1988 hatte sie Pech und zog sich eine Rückenverletzung zu. Nach daraus bedingter Pause und neuem Trainingsanlauf wagte sie sich erstmals 1989 in Frankfurt/Main über die Marathondistanz von 42,195 km. Ihre Laufstrecken umfassten damit alle Klassiker. Ihre Bestzeiten sind über 800 m 2:24 min, 1.500 m 4:49 min,
3.000 m 9:53 min, 5.000 m 16:55 min, 10.000 m 35:40 min, 15 km 56:00 min, Halbmarathon 1:21 h, 25 km 1:38 h und Marathon 3:02 h.

Im Jahr 1992 zog Monika Pautmeier aus beruflichen Gründen nach Bad Bevensen und lernte dort ihren Mann Thorsten Winkler kennen. 1994 wurde sie Mutter. Heute ist sie stolze Mutter von vier Kindern. Trotz der vielen Arbeit lässt sie es sich nicht nehmen, etwas für sich zu tun, und das ist gut so. Sie hält sich läuferisch fit, macht alle Besorgungen mit dem Fahrrad und schwimmt im Sommer im schönen Rosenbad morgens um sechs. Bestimmt werden einige von ihren Kindern in die Fußstapfen der Eltern treten. Sportlich ist die Familie allemal, denn Thorsten Winkler ist Lauftreffleiter von Bad Bevensen. Was Monika von vielen anderen Wettkampf-Sportlerinnen und Sportlern unterscheidet ist, dass sie als Trainerin im Schülerbereich beim MTV Bad Bevensen tätig ist und in der Leichtathletik sich um die Anleitung des Nachwuchses kümmert. Sie gibt Trainingsstunden und betreut ihre Schützlinge auf wichtigen Wettkämpfen (Läufertage, Kreis- und Bezirksmeisterschaften, Staffeltage, etc.). So wünschen wir alle, dass Monika Winkler noch viele Jahre ein offenes Ohr für den Nachwuchs findet; aber eins ist klar, ihre Familie steht an erster Stelle. So hoffen wir, auch andere Sportler zu motivieren, in der Vereinsarbeit tätig zu werden. Wir tun es für unsere Kinder.

Maria Gerke
Peter Bayer

Liane Winter - Das sportliche Allroundtalent wurde 60

Wer kennt sie nicht? Liane Winter, die Laufpionierin. Ein Allroundtalent mit einer enormen Bandbreite: 1962 war sie bei den Deutschen Hallen-Meisterschaften in Dortmund vierte über 800 m. 26 Jahre später (1988) wurde sie vierte bei den Deutschen Meisterschaften über 100 km. Eine erstaunliche Wandlung! Alle ihre sportlichen Leistungen hier aufzuführen wäre müßig, denn dazu würde der Platz nicht reichen. Einige Episoden aus Liane Winters sportlichem Werdegang sollen hier jedoch stellvertretend für ihr Leben mit dem Sport dargestellt werden.

Die sportliche Karriere von Liane Winter begann Mitte der 50er Jahre als aktive Handballspielerin bei der Eintracht Wetzlar. Liane Winter erinnert sich: "Da hatten wir mal im Rahmen des innerdeutschen Sportverkehrs den SC Einheit Dresden zu Gast. Als die uns mit 0:19 vom Platz fegten (zu der Zeit spielten wir noch auf dem Großfeld), war ich derart schockiert, dass meine sportliche Karriere beinahe zu Ende war, noch ehe sie begann." So schnell warf Liane Winter die Flinte jedoch nicht ins Korn - das Gegenteil war der Fall.

Ab 1959 nämlich verlagerte sich ihr sportliches Interesse zur Leichtathletik, wo sie bei Jugend-Bezirksmeisterschaften in den Disziplinen Kugelstoßen, Diskuswerfen, Speerwerfen und Fünfkampf antrat. Während dieser Zeit kam sie durch den Wetzlaer Marathonläufer Otto Dittrich dann auch zum Langstreckenlauf. "Wir sind gemeinsam abends durch die Straßen von Dorf zu Dorf gelaufen, immer frech mitten auf der Fahrbahn, Autos waren selten", erzählt das langjährige IGL-Mitglied. Mit einem Schmunzeln erinnert sich Liane Winter an die damalige Mode: "Damals trug man noch keine Sportbekleidung außerhalb der Turnhalle. Wenn ich an mein "Outfit" denke! An den Füßen derbe Schuhe mit ,Specksohle', die sackige Baumwollhose mit einem Gürtel befestigt, einen abgeschnittenen Nylonmantel als Wetterschutz sowie ein Kopftuch. Anoraks gab's damals nur Marke ,Wandervogel dreißiger Jahre' - drei Kilo schwer. Kein Mensch hätte mich verdächtigt, Langstrecken zu laufen; ich ging garantiert als heimkehrende Bäuerin vom Feld durch", lacht die Wolfsburgerin.

Liane Winter, die sich als Erlebnisläuferin sieht, hat in den 60er Jahren sowohl im Training als auch im Wettkampf hauptsächlich Waldläufe bestritten. Während andere in der Bahnsaison festen Boden unter den Füßen hatten, zog sie es vor, auf weichem Waldboden zu laufen. Ab 1963 errang sie in ihrer Heimatstadt bei den Deutschen Meisterschaften dann viermal hintereinander den Titel der Mannschafts-Meisterin im Waldlauf. Mit zu ihrer Mannschaft gehörten damals so bekannte Mittelstrecklerinnen wie Christa Luczak und Christa Merten, die beide leider nicht mehr leben. Wie sehr Liane Winter die Läufe in der Landschaft liegen, zeigen auch die sieben Siege des "Hermannslauf" im Teutoburger Wald. Von ihren 50 Marathons, von denen sie keinen aufgegeben hat, waren allein acht Schwarzwald-Marathons.

1974 hörte sie vom 1. Internationalen Marathonlauf für Frauen in Schwalmtal-Waldniel, der vom Mitbegründer unserer IGL, Dr. Ernst van Aaken, ins Leben gerufen worden war, und an dem sie unbedingt teilnehmen wollte. Doch zunächst stand im Februar 1974 noch der Winter-Marathon in Husum auf dem Programm. Doch da taten sich für Liane Winter Hindernisse auf, die sie kaum für möglich gehalten hätte: "Der Hausarzt verweigerte mir für die Starterlaubnis das notwendige Attest, mein Puls sei zu langsam! Beim Arzt am Start war ich so aufgeregt, dass mein unterer Blutdruckwert 110 zeigte. Ich durfte trotzdem starten und habe den Marathon ohne Probleme in 3:11 Stunden geschafft. Am Start waren 150 Männer, 15 Frauen (vorwiegend Däninnen). Mit dabei waren die unverwüstlichen Regina Schiek (3:26 Std.) und Eva-Maria Westphal (3:48 Std.)", erinnert sich Liane Winter.

Nachdem Liane Winter zur Vorbereitung auf den 1. Internationalen Marathonlauf für Frauen noch an einem Volksmarathon in 2:57 Stunden und an verschiedenen Läufen teilgenommen hatte, kam im September 1974 endlich das große Welttreffen in Waldniel. Liane Winter erzählt: "Bereits am Vorabend waren mir diverse Pressevertreter auf den Fersen, weil Ernst van Aaken ihnen versichert hatte, ich würde morgen gewinnen. Das war mir vielleicht peinlich! Ich gewann tatsächlich in Europa-Bestzeit von 2:50:31 Stunden. Ich glaube, dass mich Ernst van Aaken schon vor dem Lauf längst im Visier hatte; der hatte wohl überall seine Spione."

Dann trumpfte Liane Winter beim 79. Boston-Marathon 1975 groß auf. Sie wurde Siegerin in der Weltrekordzeit von 2:42:24 Stunden. Der damalige IGL-Beauftragte für internationale Angelegenheiten, Willi Haman, schrieb in der condition über den Boston-Marathon: "Diese Reise wird für alle Teilnehmer ein unvergessliches Erlebnis bleiben. Ein verschworenes, sportliches und kameradschaftliches Häuflein von 26 Teilnehmern, einen angenehmen Hin- und Rückflug, tolles Wetter, 200-Jahr-Feier-Boston mit farbenprächtigem Umzug und viel, viel Musik, acht deutsche Läufer unter den ersten 200 im Ziel und die Krone: Der Sieg von Liane Winter aus Wolfsburg. Ich habe unsere Liane mit neuer Weltbestzeit von 2:42:24 Stunden unter ohrenbetäubendem Lärm, Händeklatschen von begeisterten Zuschauern ins Ziel einlaufen sehen - und das war mein schönstes Boston-Erlebnis."
Mit den Sportfreunden aus Boston hat Liane Winter immer noch guten Kontakt. So wurde sie 1996 zum 100. Boston-Marathon eingeladen und im Jahr 2000 zum Jubiläum ihres Weltrekords vor 25 Jahren.

Neben zahllosen Landes- und Seniorenmeisterschaften hat Liane Winter auch an etlichen Premieren teilgenommen. So startete sie 1978 auf dem Nürburgring und nahm 1979 - gemeinsam mit ihren Sportkameradinnen Gerlinde Püttmann und Anna Eilkenbach - am 1. Frauen-Marathon in der Japanischen Hauptstadt Tokio teil. 1978 startete sie bei den XI. Weltbestenkämpfen der IGÄL in Berlin und war dort mit Abstand die schnellste Frau im Marathonlauf. Für diese Leistung wurde sie beim großen Kameradschaftstreff in Nistertal/Westerwald mit dem "Goldenen Laufschuh" ausgezeichnet. 1981 siegte Liane Winter in Orsoy bei den Deutschen Marathon-Meisterschaften in der Mannschaftswertung (Winter, Miehe, Nowicki). Als Vierzigjährige erreichte sie beim Frankfurt-Marathon noch einmal eine Zeit von 2:43:35 Stunden.

Nach dem ersten Gesamt-Berliner Neujahrslauf 1990 durchs Brandenburger Tor (mit Vopo-Stempel) wollte Liane Winter gerne einmal den "langen Rennsteig" laufen; und das möglichst unter sechs Stunden. 1991 war es soweit. Liane Winter: "Zwei Kilometer vor dem Ziel stürzte ich schwer. Der Kiefer renkte sich aus, ich blutete aus der Nase. Zum ersten mal in meinem Läuferleben sah ich im Ziel gar nicht gut aus, worauf ich doch stets so sehr bedacht war. Aber das Wichtigste habe ich dennoch geschafft: Nach 5:57:50 Stunden war ich im Ziel."

Eine besondere Ehre und eine Anerkennung für ihr vorbildhaftes Leben im Zeichen des Sports wurde Liane Winter, die in diesem Jahr ihren 60. Geburtstag feiern konnte, 1986 zuteil: Anlässlich des 4. Internationalen Bremen-Marathons bedankte sich die Laufwelt durch eine Marathonmedaille mit dem Abbild der sympathischen Laufpionierin für ihren unermüdlichen Einsatz für den Ausdauersport.

Georg Reinmuth

Kurt Wührer - Die faszinierende Bilanz des IGL-Läufers aus Darmstadt: in 33 Jahren dreimal um die Erde gelaufen

Bilanzen gibt es für verschiedene Lebensabschnitte: Familie, Beruf, Hobby ... Als Läufer hielt der bald 74jährige Darmstädter Kurt Wührer Rückschau auf viele Jahre beglückenden Laufsports, die geprägt wurden von 61 Marathonläufen.

Und doch sah es für den am 12.04.1930 in Darmstadt geborenen Kurt Wührer in seiner Jugend nicht nach großen Laufchancen oder gar Erfolgen dabei aus. Im Gegenteil: Mit 17 Jahren war er als Folge einer Infektion an einer Kniegelenkentzündung erkrankt, bei der nach ärztlicher Meinung zu befürchten stand, dass das Knie steif bleiben würde. Mit langen Spaziergängen, Schwimmen und Radfahren versuchte der junge Kurt Wührer gegen dieses Schicksal anzugehen.

Die entscheidende Wende für ihn zum beständigen Laufen kam bei der Zufallsbegegnung mit einer Gruppe Teilnehmer an einem Volkslauf. Schon zum nächsten Volkslauf meldete sich Kurt Wührer ebenso an und lief, ohne vorheriges Training mit einfachen Turnschuhen 10 km. Bei einem seiner nächsten Volksläufe war er auf die Trainingsmöglichkeiten des TUS Griesheim hingewiesen worden. Von da an hatte er hier seine sportliche Heimat gefunden, wie er sich auch bald danach der Gemeinschaft der IGL anschloss.

Jetzt begann für ihn ein kontinuierliches Training mit der homogenen TUS-Vereins-Laufgruppe, was auch bald zu seinen ersten Erfolgen führte. Seinen ersten Marathon lief Kurt Wührer 1973 in Mannheim in der bemerkenswerten Zeit von 3:06:00 Std. Von da an führte er über Training und Wettkämpfe genau Buch, vermerkte jeweilige Laufbedingungen, die Zeiten, sein Befinden. Es folgten Läufe über diese klassische Distanz u.a. in München, Kandel, Frankfurt/Main, Rodenbach, Karlsruhe, Herxheim, Essen, Aschaffenburg, Griesheim, Köln-Porz, Steinwiesen, im Neckartal, in Gießen, Oelde, Hamburg, Berlin, Maximiliansau, Göppingen, Dresden, Basel, Neu-Breisach, Paris, Amsterdam, Enschede, New York und Stockholm. Seine Bestzeit hatte er mit 48 Jahren 1978 am Baldeneysee in Essen mit 2:44:07 Std erzielt. Zu seinem 60. Marathonlauf war er am 23. März 2003 in Marburg gestartet, den er in einer Zeit von 4:03:53 Std. durchlaufen hatte. In allen Jahren bis heute war seine Frau Ilse seine große Förderin und oftmalige Wettkampfbetreuerin.

In seiner Laufbilanz schlagen auch 25 Halbmarathon-Läufe, 41 Volksläufe über 20 km, 39 Läufe über die 25 km-Distanz, 91 Straßen- und Volksläufe über 10 km, 14 Bahnläufe über 10.000 m, 14 Wettbewerbe auf der 5.000 m-Strecke und 11 Starts über 3.000 m. zu Buche. Nimmt man die noch 80 sonstigen von ihm absolvierten Läufe hinzu, dann waren es bis heute 401 Starts bei Laufwettbewerben. Kurt Wührer wurde mehrfach Kreis-, Bezirks- und Hessenmeister und kam mit seiner Mannschaft bei Deutschen Senioren-Meisterschaften über 20 km in Osnabrück-Gretesch, und über 25 km in Hamburg und Passau jeweils auf den zweiten Platz. 1995 zwang ihn eine Knie-Arthroskopie zu einer Pause von über vier Monaten.

Kurt Wührer, Vater zweier Söhne und einer Tochter, ist zudem begeisterter Hobby-Filmer und ein Freund klassischer Musik. In seinem Verein hatte er bis zu seinem 70. Lebensjahr über 22 Jahre Verantwortung als Kassenwart seiner Leichtathletik-Abteilung wahrgenommen.

Wohl einzigartig war sein Abschied aus dem Berufsleben: Den letzten Berufs-"Heimweg" wollte er als Läufer zurücklegen. Auf der 35 km langen Strecke von Frankfurt nach Darmstadts Kranichsteiner Straße hatten Kurt Wührer viele Geschäftskollegen sowie noch mehr Läufer seines TUS Griesheim begleitet. Auf den Wegen durch das durchgängig große Waldgebiet südlich des Main waren Verpflegungsstationen eingerichtet und Begleitfahrzeuge für eventuelle Ausfälle eingesetzt. Anschließend hatte diese Laufgemeinschaft den Abschied in einer Grillhütte zünftig gefeiert.

Natürlich hält es Kurt Wührer, der am 12. April 2004 74 Jahre "jung" wird, auch heute nicht sportlich untätig zu Hause. Das hatte er auch gezeigt beim Halbmarathon des Spitz-Älthemer Volks- und Straßenlaufs am 28. Juni 2003 im Altheimer Ortsteil von Münster bei Dieburg, bei dem er unter 298 Teilnehmern in seiner Altersklasse in seinem 400. Wettkampf mit hervorragender Zeit von 1:53:19 Std. Sieger geworden war. Sein 61. und derzeit letzter Marathon hatte Kurt Wührer am 31.08.2003 nach Egelsbach zu den Hessischen Marathonmeisterschaften geführt, bei denen er in 3:59:29 Stunden Hessenmeister in der Klasse M 70 werden konnte. Sein Ziel, gesund ins Rentenalter zu kommen, hatte Kurt Wührer 1993 erreicht. Wenige Beeinträchtigungen ab und an in den Jahren seither konnte er immer wieder ausheilen. Somit ist ihm auch heute, elf Jahre danach, vergönnt, "sein schönstes Hobby, Laufen" auszuüben.

Hans Todt / Peter Bayer

Abschied vom Chronisten Günter Scharf
Der Vorstand aus dem Jahre 1972 von links: Kurt Emde (Kassenwart) Arthur Lambert (1. Vorsitzender) Meinrad Nägele (2. Vorsitzender) Günter Scharf (Geschäftsführer)

Günter Scharf legte auf der Jahreshauptversammlung am Pfingstsamstag in Arolsen sein Amt als Chronist der IGL-ev nieder. „Ich habe dieses Amt vom Vorstand bzw. von der Mitgliederversammlung erhalten, nun gebe ich es dahin zurück, woher ich es bekommen habe“, so der 80-jährige in seinen kurzen Worten. Eine Würdigung seiner Arbeit und einen Nachfolger gab es leider nicht. Gleichzeitig wurde, er für 25-jährige Mitgliedschaft geehrt. Man darf nicht vergessen, dass Scharf nach mehrjähriger „Auszeit“ Anfang der siebziger Jahre schon einmal fünf Jahre Mitglied in der damaligen IGÄL war. Aus dem bewegten Leben des Remscheider Urgesteins etwas zu schreiben, das ist schon folgerichtig, nachdem ich mich mit ihm persönlich und anhand von Schriften in stundenlanger Kleinarbeit beschäftigt habe. Eigentlich war Günter Scharf kein Sportler, mehr ein Bücherwurm und Stubenhocker und eben ein Schreiberling, was ihm viel Lob aber auch etlichen Tadel eingebracht hat. Schweisstreibende Aktivitäten als Kompaniemelder in den Kriegsjahren 1944/45 liessen ihn erstmalig in Bewegung kommen. Als Lehrer wollte er kein Drückeberger sein, und so beteiligte er sich erstmalig im Jahre 1969 an einem Volkslauf in Schwelm. Er, ein Historiker und Theologe hatte seine Sportkollegen dabei die Hacken gezeigt. Von diesem Zeitpunkt an änderte sich seine Einstellung zur Bewegung und zum Ausdauersport. Bei dieser Gelegenheit lernte Günter Schaft auch unsere IGL-Mitbegründer Arthur Lambert und Dr. Ernst van Aaken kennen. So durfte er als dann als 40-jähriger der IGÄL beitreten. Bei den Weltbestenkämpfen nahm er dann sogleich am Marathonlauf in Skövde/Schweden teil. Das setzte sich dann fort mit Volksläufen, dem Schwarzwald-Marathon in Bräunlingen, dem 100-km-Lauf in Unna, wo er später auch unter 10 Stunden blieb. In Schweden gab es eine jahrelang anhaltende Freundschaft mit dem Japaner Hideo Okada. Ein Erlebnis für ihn war der erste Marathonlauf von Arthur Lambert in Rummeln-Kaldenhausen in 3:52.30 Std., was ihn persönlich motivierte.

Doch auch im Organisationbereich war der ehemalige Chronist tätig. Die IGÄL suchte einen Geschäftsführer, der Akten sortierte und aufarbeitete. Hier war Günter der richtige Mann, wobei er seine Arbeit oft im Hause Lambert verrichtete. In Remscheid gründete er eine Leichtathletikgemeinschaft, die  u.a. einen Sylvesterlauf veranstaltete. Dies tat zeitversetzt auch ein anderer Verein. Scharf spricht hierbei von der „Remscheider Langläuferaffäre“, in die sich die IGÄL und vor allem Arthur Lambert, der inzwischen Ehrenmitglied in Günters Club geworden war, einschalten sollte. In Remscheid gab es viele, die nicht auf einen Nenner zu bringen waren, zu unterschiedlich waren die Meinungen. Es wurde Briefe und Presseberichte verfasst, die unter die Gürtellinie gingen. Günter Scharf erhielt zwischenzeitlich vom Verband eine dreijährige Sperre, die kurz nach der Verkündigung  wieder aufgehoben wurde. Da die IGÄL sein Ansinnen ablehnte, sich mit den Remscheidern Offiziellen anzulegen, erklärte Scharf  seinen Austritt aus der IGÄL. Als Realschullehrer war er beliebt und tüchtig, was vor allem seinem Trieb zur Geschichte zu verdanken war. Es gab aber auch dunkle Flecken auf seiner Weste.  Da gab es Leute, die meinten er hätte Kinder geschlagen oder seine Aufsichtpflicht bei einer Freizeit im Schullandheim verletzt. Letzte hatte er garnicht geleitet. Er wurde für vier Jahre suspendiert und später rehabilitiert. Alle seine Gesprächsangebote liefen ins Leere, was ihn nicht davon abhielt, im Sport und in den Stadtteilen Remscheids weiterhin die Fäden zu ziehen. Sein Hang zur Geschichte war stark. Er war Dozent an der Deutschen Sporthochschule in Köln. Jedoch eins kann man ihm zugute halten: Er hat Nerven bewiesen und alle überlebt, die ihn brüskiert haben und er hat sich auf seine Ar und Weise immer gewehrt.

So war er auch inzwischen wieder im Jahr 1982 in die IGÄL, die in die IGL geändert wurde, eingetreten. Dort hat er die ihm zugetragenden Arbeiten in der Geschäftsstelle zu höchster Zufriedenheit erledigt. In Remscheid verlieh man ihm den Hauptpreis des Bergischen Geschichtsverein und der Oberbürgermeister verlieh ihm für besonderen Einsatz die Stadtmedaille.     Nach der Wende und dem Fall der Mauer unterstützte er in ganz besonderer Weise die Kontakte zum Arthur-Lambert-Lauf in Wittenberg. Er lernte in den neuen Bundesländern genau so die Menschen schätzen, wie ich es seit nunmehr 17 Jahren erlebe.  Etwa im Jahre 1997 bot sich Günter Scharf an, eine Chronik zu erstellen. Um die Jahrtausendwende bekam er den offiziellen Auftrag von der Mitgliederversammlung, als Chronist zu arbeiten. Bis zum Jahr 2000 hat er die Chronik unserer Gemeinschaft erstellt. In mühevoller Kleinarbeit mit unserem jetzigen Ehrenvorsitzenden Gusthelm Schläbitz ist sie im Internet einzusehen. Dafür gilt vor allem Günter Scharf ein herzliches Dankeschön und auch Gusthelm hat ihm oft Respekt ausgesprochen.
Dieser Günter Scharf, der oft schriftlich vieles hinterfragt und kritisch über Leute sowohl spricht als auch schreibt, ist nicht immer einfach. Ich habe viel über sein Leben und seine mir zugesandten Unterlagen ausgearbeitet und sehr viel und stundenlang mit ihm gesprochen. Bei vielen den Storys aus seinem Leben und den nicht immer gut gemeinten Kritiken an ihm muss man auch seine guten Seiten beleuchten. Da bin ich zu dem Schluss gekommen, wenn man auf Günter Scharf zugeht und sich offen und ehrlich mit ihm beschäftigt, kann er auf jeden Fall ein angenehmer Zeitgenosse sein. . Er hat das Leben der IGL mitgestaltet und bereichert. Am Ende seiner Laufbahn als Funktionär vor allem in unserer Gemeinschaft mögen es alle ihm verzeihen, die mit Schreiben und teils mit Einschreiben von ihm „belästigt“ wurden. Ein friedlicher und geruhsamer Lebensabend sei ihm gegönnt. Darum: Gesundheit, alles Gute und Danke Günter.

Eckhard Kleine-Tebbe
(Pressewart)

Ingrid Tröger: Zum Geburtstag viel Glück...

...aber ist es denn zu glauben, dass sie 60 wird? Im Allgemeinen erwähnt man das Alter einer Dame nicht, aber in diesem besonderen Falle verzeihe man mir: Es gilt eine Breitensportlerin zu feiern, wie sie im Buche steht. Die temperamentvolle Vogtländerin, ohne deren engagierten organisatorischen Einsatz die Leipziger Laufszene um einiges ärmer wäre, und deren persönlicher Einsatz für unsere IGL immer hilfreich war, feiert einen runden Geburtstag.

Die Rede ist von Ingrid Tröger, Oberärztin der Kinderstation im St.Georg-Klinikum Leipzig, als Diagnostikerin gesucht, Mutter zweier - inzwischen erwachsener - Kinder, laufbegeistert, leidenschaftliche Bergwanderin und IGL-Stützpunktleiterin der sächsischen Metropole. Sie kam 1988 zum Laufen, weil der - weiland noch - DDR-DTSB Laufkurse anbot, aus denen später Lauftreffs entstanden, von den damaligen Regierenden misstrauisch beäugt. Unser Geburtstagskind bestritt 1990 in München erfolgreich seinen ersten Marathon. Das weckte dann wohl die Vorliebe der Kinderärztin für die Marathonläufe in den Städten, von denen sie zahlreiche absolvierte. Ihre besondere Liebe gilt dem Rennsteiglauf, und das nicht nur, weil diese Veranstaltung an sich eine erlebnisreiche ist, sondern auch, weil der Rennsteiglauf in seiner Entstehungsgeschichte und Tradition ein wesentliches Element der Emanzipation des breitensportlichen Langstreckenlaufes in der DDR darstellt, die dann in der Gründung des Läuferbundes in der DDR ihren Höhepunkt fand.

Zur IGL kam sie 1991. Seitdem ist sie, die zuweilen Burschikose, aus der IGL nicht mehr wegzudenken. Keiner, der auf ihre Unterstützung gebaut hat, wurde je enttäuscht. Hilfsbereit, zuverlässig und zupackend, so kennt man sie. Ihr Humor ist bemerkenswert und ich erinnere mich noch mit großem Vergnügen an ihre "Ossi-Wessi" Witze. Ihr Dialekt, den sie perfekt beherrscht, war schon oft Ursache wahrer Lachsalven und unser vielgeplagter Schatzmeister vergisst all´ seine Sorgen, wenn Ingrid verbal einen "Diiesenjääscher" starten lässt. "Sie ist ein Goldstück", stellte ein IGLer einmal fest.

Belassen wir´s dabei und wünschen ihr Schaffenskraft, Gesundheit, viele schöne Bergwanderungen und Rennsteigteilnahmen. Die Zuneigung all´ derer, denen sie Kamerad ist und geholfen hat, ist ihr sicher. Die IGL dankt für ihre Hilfe, zählt auch in Zukunft auf sie, und bringt ein Ständchen: Zum Geburtstag viel, viel Glück - liebe Ingrid Tröger.

Gusthelm Schläbitz

Gusthelm Schläbitz zum 75.

Der Gusthelm, das sind nicht nur sentimental-gefärbte Erinnerungen an gute Laufzeiten, an Begegnungen auf vielen Veranstaltungen und Tagungen, vor allem in den Gründerjahren der IGÄL. Gusthelm, das ist mehr als Erinnerung, das ist ein stets lebendiges Dasein und Dabeisein: Man sieht sich mal, telefoniert, schreibt, diskutiert, so, als ob es gestern gewesen sei, als man sich das letzte Mal gesehen hat. Gestern, das waren die Pionierzeiten der Laufbewegung, eine Zeit, in der man als Läufer noch als etwas ganz Besonderes (oder als ein Verrückter) galt, obwohl wir ahnten, dass man Vorläufer einer Spaßsportbewegung war, die lawinenartig anwachsen würde. Wir wussten auch, dass wir Älteren bald überrundet und überrollt sein würden von einer damals kaum vorstellbaren Laufbegeisterung breiter Massen und Volksschichten. Ohne die Anfänge mit der IGÄL, ohne Arthur Lambert als Vorbild, Ernst van Aaken als Theoretiker und Gusthelm Schläbitz als organisatorisches Talent, der die Logistik im Griff hatte, wäre auch der so genannte Laufboom noch einige Zeit in den Startlöchern geblieben. Was ich an ihm heute noch bewundere und immer noch liebe: Eine nicht nur freundliche, sondern echt herzliche und humorvolle Art des Umgangs, eine souveräne Persönlichkeit mit exzellenten Führungsqualitäten und eine menschliche Ausstrahlung, die Vertrauen einflößte - da konnte man auch mal sein Herz ausschütten. Aufgrund seiner verständnisvollen und mitfühlenden Menschenkenntnis war er und ist er heute noch geschätzt und beliebt. Einer, bei dem sich nicht alles um die eigene Gesundheit drehte, sondern er ist einer, der mit seinem Engagement für den Sport seinem Leben eine sinnvolle Aufgabe gegeben hat trotz dem damit oft verbundenen Stress. Alle mochten und mögen ihn, nicht nur wegen läuferischer Erfolge, sondern, weil er eben "der Schläbitz" ist, ein Marken- und Gütezeichen und auch ein Aushängeschild der Laufbewegung.

In seinem Herzen ist er jung geblieben, sein Verhalten nach wie vor ungekünstelt und von ehrlicher Offenheit. Und sein helles Köpfchen, d.h. sein Sachverstand und seine Managerfähigkeiten sind noch immer gefragt und anerkennend geschätzt. Gusthelm ist sich selbst und seiner Sache treu geblieben. Über ihn muss man keine Anekdoten verbreiten: Ihn zu kennen und erlebt zu haben, sei es im Sport oder außerhalb, war und ist ein menschliches Vergnügen. Gusthelm 75? Da kann man nur sagen: Wie schön, dass es ihn gibt! Irgendwie hat das für mich auch etwas Beruhigendes: Man fühlt sich weniger einsam, nicht nur in der Welt des Laufens, und wenn es einem beschissen ginge, dann wüsste man schon, mit wem man mal darüber reden könnte. Ein Mensch und Sportfreund, an dem ich eine Eigenschaft besonders bewundert hab: Seine Bescheidenheit, und das bei all dem, was er in seinem bisherigen Leben geleistet hat. Das Zeichen für "unendlich", ursprünglich Symbol der IGÄL, das könnte man auch vor das Wort Dankbarkeit setzen, die wir ihm entgegen bringen sollten, sozusagen als Geburtstagsgeschenk!

Gerhard Uhlenbruck

Ina Wester wurde 70 Jahre

Ina Wester ist 70. Am 3. September feierte die Solingerin die Vollendung des siebten Lebensjahrzehnts. Auch diejenigen, die sie kennen, werden aus diesem Anlass zwei Mal hinschauen müssen. Denn die blonde, im besten Sinne des Wortes laufbesessene Frau wirkt nun wirklich nicht so, wie man sich eine Jubilarin dieses Alters vorstellt. Wenn es eines Beweises für die gesundheitsfördernde Wirkung von Ausdauersport bedürfte, wäre Ina Wester das lebendige Beispiel.

Zum Laufsport kam sie eher zufällig in der zweiten Hälfte der 60er Jahre durch ihren Mann Klaus, der auf ärztlichen Rat mit dem Laufsport angefangen hatte. Als das Solinger Laufidol Herbert Schade im Jahr 1966 den ersten Volkslauf in Solingen organisierte, war dies für Klaus der Beginn eines langen Läuferlebens, bei dem Ina zunächst am Rande stand. Als Klaus seinen ersten 100-km-Lauf mit dick geschwollenen Knöcheln beendete, schüttelte Ina den Kopf mit der Bemerkung: "Selbst schuld!" - um ein halbes Jahr später selbst den ersten Hunderter zu absolvieren. Bei dem inzwischen legendären ‚Hunderter von Biel' waren die beiden Westers, die 1971 der IGL beitraten und 1996 mit der IGL-Jubiläumsnadel geehrt wurden, in den 70er Jahren Stammgäste und folgerichtig war Ina Wester auch beim ersten Frauen-Marathon 1973 in Waldniel dabei, den Dr. Ernst van Aaken außerhalb der Statuten des Deutschen Leichtathletik-Verbandes organisierte. Für den Frauen-Langlauf bedeutete diese Veranstaltung einen Durchbruch und für Ina Wester eine enge Verbindung mit dem Pionier des Frauen-Langlaufs. Zugleich entwickelte sich eine intensive persönliche Freundschaft zu Artur Lambert und seiner Frau Hanni, die auch nach dem Tod von Artur Lambert unverändert Bestand hat.

Es trieb Ina Wester an, ihre positiven persönlichen Erfahrungen im Laufsport auch an andere weiterzugeben. Als der in Solingen geborene DSB-Geschäftsführer Jürgen Palm die von Enzio Busche entwickelte Lauf-Treff-Idee in einen organisatorischen Rahmen fasste, war Ina Wester als Frau der ersten Stunde dabei und gründete im Mai 1974 unter dem Dach ihres Vereins, dem Solinger Leichtathletik-Club, den vierten Lauf-Treff im Westdeutschen Raum.
Ihre Liebe zur Sache und ihr umtriebiges Engagement machten den Lauf-Treff schnell zur Institution in Solingen mit bis zu 300 Teilnehmern beim mittwöchlichen Treff im Sommer. Wie tief der Treff in der Solinger Sportlandschaft verankert ist, beweist die Tatsache, dass zu den alljährlichen Frühjahrauftakten bzw. Lauf-Treff-Geburtstagen im Mai der jeweilige Solinger Oberbürgermeister nur im Ausnahmefall und mit hochoffizieller Entschuldigung fehlt.

Ina Wester war jedoch nicht einseitig auf das Laufen fixiert. Ihrer Initiative ist es zu verdanken, dass im Solinger LC - 1951 als Leistungssportverein gegründet - Mitte der 70er Jahre sowohl eine Mutter-und-Kind-Gruppe als auch eine Frauengymnastikgruppe eingerichtet wurde. Beides ist im Verein nicht mehr wegzudenken. Ihre Aufgeschlossenheit wird auch durch die Tatsache unterstrichen, dass sie bereits 1991 die aus Amerika herüber gekommene Disziplin Walking aufgriff und in den Lauf-Treff integrierte. Konsequenter Weise ist auch das Kursangebot Nordic Walking im Solinger LC auf ihre Anregung eingerichtet worden.

Bereits im dritten Jahr des Lauf-Treffs organisierte Ina Wester, mit ihrem Mann Klaus an der Seite - oder besser: bescheiden im Rücken - Anfang Dezember den Nikolaus-Lauf-Treff an der Sengbachtalsperre in Solingen. Dort zeigte sich ihr soziales Engagement über den Sport hinaus auch öffentlich, denn der Erlös aus diesem Nikolaus-Lauf-Treff kommt der "Kette der helfenden Hände" zugute, einer örtlichen Wohltätigkeitsorganisation zur Selbsthilfe. Andere soziale Aktivitäten leisten Ina und Klaus Wester meist im Verborgenen, die im Sport ausgelebte Öffentlichkeit hat hier enge private Grenzen.

Ihrem Engagement ist es auch zu verdanken, dass im Jahr 1985 der Deutsche Leichtathletik-Verband seine bundesweite Eröffnungsveranstaltung "Trimm-Trab ins Grüne" in der Ohligser Heide in Solingen veranstaltete.
Wie intensiv die Arbeit von Ina Wester gewirkt hat, zeigt die Tatsache, dass sie 1986, als sie im Januar 1986 die Silberne Ehrennadel des Leichtathletik-Verbandes Nordrhein erhielt, im Oktober aus der Hand des Solinger Oberbürgermeisters Gerd Kaimer den Verdienstorden des Verdienstkreuzes der Bundesrepublik Deutschland für ihr bürgerschaftliches Engagement im Sport erhielt. Im März 2003 ehrte der Leichtathletik-Verband Nordrhein sie mit der Goldenen Ehrennadel. In Würdigung der besonderen Verdienste um die Belange der IGL wurde Ina Wester, die von 1985 bis 1995 als stellv. Vorsitzende dem IGL-Vorstand angehörte, anlässlich der Jahreshauptversammlung am 17. Mai 1997 in Bad Arolsen zum Ehrenmitglied ernannt.

Diese Ehrungen, so angebracht sie sind, können kaum nachzeichnen was es heißt, seit mehr als 34 Jahren, nur durch Urlaub unterbrochen, jede Woche im Lauf- und Walking-Treff viele Tausend Menschen zu bewegen, äußerlich wie innerlich, und über die Jahre hinweg auch mehrere Dutzend Betreuerinnen und Betreuer für die Gruppenarbeit im Treff zu begeistern. Dass nebenbei noch drei Töchter mit aller elterlichen Liebe groß gezogen wurden, unterstreicht die sportliche Lebensleistung von Ina und Klaus Wester zusätzlich.
So ist Ina Wester mit ihrem unverwechselbaren Gruß: "Guten Abend, liebe Lauf-Treff-Freunde" allen Rücktrittsgedanken zum Trotz aus dem SLC-Lauf- und Walking-Treff nicht wegzudenken, 70 Jahre hin oder her.

Hans-Joachim Scheer

Dr. habil. Karl Lennartz als "Carolus Magnus" geehrt

Was den Freunden der Deutschen Sporthochschule im Allgemeinen und denen des Carl und Liselott Diem-Archivs im Besonderen mit der üblichen Weihnachtsgabe schon mitgeteilt worden war, wurde wahr am 29. April 2005: Dr. Karl Lennartz trat in den (Un-) Ruhestand. Überwiegend hat sein Name einen guten Klang als Sporthistoriker. Die Langläuferzunft schätzt ihn freilich nicht minder wegen seiner Ausdauerleistungen in Praxis und Theorie. Das reicht von achtbaren Zeiten auf Marathon- und 100km-Distanzen bis zur Förderung jugendlichen Nachwuchses. Dass das vermeintlich "schwache Geschlecht" neu zu bewerten ist, bekundete nicht zuletzt Lennartz´ Tochter Birgit mit ihren zuvor für unglaublich gehaltenen Erfolgen auf den "Ultra"-Strecken. Uns IG(Ä)L-Oldies bleibt aber auch dessen Vorzeige-Nachbar Josef (Sepp) Galia vom ASV St. Augustin unvergessen. Durch zahlreiche Artikel - auch in condition - und Bücher (letztens "Marathonlauf I: Von den Anfängen bis von Aaken") gilt Karl Lennartz als sachkundiger Wegweiser in der Nachfolge unserer Ur-Idole. Gekrönt hat er seine theoretische Laufbahn unlängst mit dem Zusatztitel Dr. "habilitatus".

Ein Zeichen diplomatischer Befähigung setzte der Rheinländer während der 90er-Jahre, als versucht wurde, (auch) den Namen des herausragenden Sportpädagogen Carl Diem "unmöglich" zu machen. (In Remscheid z.B. erfolgten gleichzeitig ähnliche Angriffe gegen Ernst Moritz Arndt). Beide "Fälle" müssen aber aus ihren historischen Umfeldern differenziert erörtert werden. Die Namen des Diem-Instituts für olympische Forschung wie des E.M. Arndt-Gymnasium blieben erhalten. Zu jener Zeit durfte ich mich in Köln zwölf Semester lang als Gasthörer und -referent betätigen.

Bemerkenswert ist dabei die Hilfe Dr. Lennartz´ bei meiner Suche nach noch ungesicherten Fakten für unsere IG(Ä)L-Chronik. Mir wurde ein Koffer voller früher "Rundbriefe" Dr. van Aakens und Meinrad Nägeles überlassen mit der knappen Bemerkung: "Was nicht gebraucht wird, kommt zurück". Solch ein Vertrauen ist mir während der 78 Lebensjahre nur sehr selten zuteil geworden. Hier sei ein Dank all derer bekundet, denen ein korrekter Rückblick auf unsere Vereins-Vergangenheit wichtig erscheint.

Die "Akademischen Feierstunden" von 14 bis 19 Uhr in der "SpoHo" Köln mit kompetenten Referenten und vielen Gästen widerspiegelten die Verdienste des langjährigen Leiters der Diem-spezifischen Olympischen Pflegestätte. Chronisten wurden hellhörig eingedenk der Festvorträge zum aktuellen Stand der Sporthistorie. Neu waren mir vor allem Fakten aus dem Kollegenkreis um den französischen Olympia-Erneuerer Pierre de Coubertin: Keine Spur von eigentlich erklärbarer "Revanche" wegen 1870/71, sondern frühes Bemühen um Weltfrieden mittels sportlicher Fairness. Dass hierbei die Jenaer Darlegung Friedrich Schillers (1789) im Sinne übergreifender "Universal"-Geschichte solche Impulse ausgelöst hat, ist hoffentlich nicht nur für "Ewig-Gestrige" von Bedeutung.

Die für Laufpraktiker/innen maßgeblichen Fakten aus der Lennartz-Vita ließ schließlich Amtsnachfolger Dr. Jürgen Buschmann Revue passieren. Demnach begann der Langlauf-Virus zu wirken mit den Zatopek-Sensationen von 1952. Nachdenklich stimmte mich hierbei das Faktum, dass Ausdauersportler/innen - entgegen bekannten Prophezeiungen - keineswegs den Krankheiten ganz einfach "davonlaufen" könnten. Diese selbstkritische Betrachtung sollte auch von uns demnächst aufgegriffen werden.

Günter Scharf

Carl-Jürgen Diem - Ein Motor der modernen Laufbewegung wird 70 Jahre alt

Nicht die Eltern, wie man annehmen könnte, sondern der Paderborner Osterlauf war der Auslöser für die Entwicklung dieser Sportpersönlichkeit Carl-Jürgen Diem. Als er zum wiederholten Male zur Siegerehrung und Pokalverleihung bei dem seinem Vater gewidmeten Lauf erschien, gefiel ihm seine Rolle als vielseitiger Freizeitsportler auf einmal nicht mehr. In der Mitte seines Lebens wandte er sich dem Laufsport zu, was bei den einladenden Wäldern rund um seinen Wohnort Darmstadt nahe lag. Der Weg zu dem wenige Monate zuvor gegründeten DARMSTÄDTER LAUF-TREFF war so gesehen unvermeidbar. Sein sprühendes Engagement, seine Kompetenz als Lauf-Treff-Betreuer und seine natürliche Autorität warfen dort alsbald die Frage auf: Wer ist dieser Carl-Jürgen Diem?

Die Abstammung von dem berühmten Sportprofessoren-Ehepaar Carl und Liselott Diem ersparte ihm keineswegs harte Kindheits- und Jugendjahre. Das Kriegsende in Berlin hat bei dem 10-jährigen prägende Eindrücke hinterlassen. Erst nach dem Berufsabschluss als Elektrofeinmechaniker baute er auf dem 2. Bildungsweg sein Abitur im Alter von 23 Jahren. Sein Berufsweg führte ihn als Physiker mit Schritt für Schritt erarbeiteten Zusatzqualifikationen gradlinig durch verschiedene Positionen eines bekannten Unternehmens. Seine frühe "Sportkarriere" ähnelt der von Tausenden: Handball, Feldhockey, Skilaufen und kleine Erfolge in der Leichtathletik. War es eine auch ihm selbst verdeckte Neigung, dass er sich als Leiter einer Betriebssportgruppe zur Verfügung stellte? Jedenfalls rühren erste Übungsleiter-Lizenzen (Volleyball und Leichtathletik) aus dieser Epoche.

Die Entfaltung zu einer starken, innovativen Sportpersönlichkeit mit bundesweiter Ausstrahlung vollzog sich in der Zeit als Leiter des DARMSTÄDTER LAUF-TREFFs ab Beginn der 1980er Jahre. Umgeben von einem experimentierfreudigen Team entwickelte er ein Konzept für die Anfängerbetreuung beim Lauftreff, das den Erfolg garantierte, wenn einen disziplinierte Umsetzung geschah. Mit der persönlichen Garantieübernahme, dass jeder es schaffen kann, setzte er ein deutliches Zeichen für die Qualität der Betreuung. Durchaus konstruktiv provozierte er damit das Verhalten der Betreuer, die ihre egoistischen Trainingsziele zunächst nicht einschränken wollten. Seine eigene Forschungsarbeit, die er in ungezählten Artikeln veröffentlichte, die Erfahrung seiner jahrelangen Lehrtätigkeit in Funktionen des Hessischen und des Deutschen Leichathletik-Verbandes floss in diverse Ausbildungskonzepte für Lauf-Treff-Betreuer ein. Sein diesbezügliches "Darmstädter Modell" leitete langsam eine Wende im Verständnis zur optimalen Betreuung der Lauftreffs in Deutschland ein. Daneben hat er auf breiter Basis Laufschuhe getestet, deren Hersteller beraten und auch diese Ergebnisse fortlaufend publiziert.

Dass er in dieser Schaffensphase sich selbst in den Bereichen Sportmedizin (bei Professor Manfred Steinbach), Sportorthopädie, Didaktik der Trainingslehre aktiv weitergebildet hat, um den aktuellen Wissenstand zu vermitteln, belegen unter anderen die fünf Fachbücher, die Fachleute wie den Laien zu den Grundlagen des Ausdauersports und der dazu gehörenden Ausgleichsgymnastik hinführen sollen. Niemand konnte sagen, dass Carl-Jürgen Diem sich in dieser Zeit zum Stubenhocker entwickelt hätte. Erste Triathlons reihten sich zwischen ausgesuchten Marathonstarts, was eine Erweiterung des eigenen Trainings voraussetzte. 27 Goldene Sportabzeichen in Folge beweisen die Ausdauer auf andere Art. Zwei- bis dreimal pro Woche gab er seine Impulse in den Lauftreff, der mit durchschnittlich 350 Teilnehmern pro Treff zum größten und bestorganisiertesten in der Bundesrepublik mutierte. Rund 50 Betreuer schafften es, die Laufstunde auf meistens 17 Leistungsstufen zwischen 5,5 und 13 km locker über die Bühne zu bringen.

Nach der Übergabe der Lauftreff-Leitung an Michael Spankus 1996 blieb Diem Dozent und Ausbilder für Übungsleiter im Ausdauersport. Für zwei Jahre war er örtlicher Vorsitzender der Deutschen Olympischen Gesellschaft in Darmstadt, was wieder von neuem eine sinnvolle Verbindung von Sportpraxis und theoretischer Arbeit ausweist. Wie Sportwissen auch die Lebensgestaltung positiv beeinflusst, zeigte Diem unfreiwillig, indem er nach einer Hüftoperation 1998 sehr bald mit einem Aquatraining begann und in relativ kurzer Zeit danach wieder durch die Wälder traben konnte.

Mut und Eigeninitiative zeichnen den Jubilar auch in einem anderen Bereich aus: Vierzig Jahre nach dem Tod seines 1962 verstorbenen Vaters streitet er juristisch gegen einen Teil der deutschen Sportorganisationen, die den großen Sportpionier mit spekulativen Begründungen um seine Ehre bringen wollen. Exakte wissenschaftliche Klärungsarbeiten stehen in Aussicht.

Wünschen wir dem umtriebigen, vitalen Siebzigjährigen, der seit einigen Sommern am Starnberger See eine Segelschule (bei der Anfängerbetreuung!) unterstützt, eine genuss- und erlebnisreiche Lebensphase, die noch gar nicht wie Lebensabend aussieht.

Walter Schwebel

Einige ausgesuchte Lebensdaten

Geboren: 14. Oktober 1935 in Berlin
Berufseintritt: 1961 als Physiker bei der Röhm GmbH
Tätigkeiten im Sport: ab 1952 Übungsleiter in den Bereichen Schüler- u. Lehrlingssport
1963 bis 1991 Leiter der Betriebssportgruppe Röhm
1975 bis 1982 im Führungsteam des DARMSTÄDTER LAUF-TREFFs
1982 bis 1996 Leiter des DARMSTÄDTER LAUF-TREFFs
1981 bis 1983 Hessischer Lauftreffwart
1983 bis 1985 Breitensportwart im Hessischen Leichathletik-Verband
1985 bis 1990 Lauftreffwart beim Deutschen Leichathletik-Verband
1980 bis 2005 Mitarbeiter bei der Fachzeitschrift condition

Besondere
Ehrungen (Auszug):

  • 1981 "Van Aaken-Preis" des Deutschen Verbandes langlaufender Ärzte und Apotheker e.V. (DVLÄ)
  • 1989 Ehrenmitgliedschaft beim DVLÄ
  • 1989 Sportplakette der Stadt Darmstadt
  • 1995 Ehrenmitgliedschaft beim ASC Darmstadt
Peter Bayer vollendet sein 70. Lebensjahr

Ist es denn zu glauben? Was soll ich denn dazu schreiben? Seine sportliche Vita auflisten? Seinen Umgang mit Schicksalsschlägen, die das Leben für ihn bereit hielt? Seine unaufdringliche Hilfsbereitschaft, sein Gewilltsein, Verantwortung zu übernehmen? Wo anfangen, wo aufhören, wenn man Glückwünsche zu einem runden Geburtstag überbringen und den Jubilar ehren möchte?

Ich lernte Peter Bayer 1976 anlässlich der Senioren-Weltbestenkämpfe auf Teneriffa kennen. Einen engagierten Läufer und Leichtathleten, der von seinen Stadion-Leistungsdistanzen (800/1.000/1.500 bis zu den 10.000 Metern) zum Langstreckenlauf auch außerhalb der Stadien bis hin zur Marathon-Distanz und dabei mit der - damaligen noch - IGÄL über seinen Vereinskollegen Günter Mayer in Kontakt gekommen war. Seine freundliche Ausstrahlung und sein immenses Wissen über alle Gebiete der Leichtathletik, sei es Wettkampfordnungen, Verbands- und Vereinsstrukturen, Bestleistungen und Rekorde jeglicher Art, sowie ihre Entwicklung und den damit verbundenen Namen und Personen, führte zu manchem Gedankenaustausch, auch über die sportlichen Belange hinaus.

Als ich zu Zeiten von Hansmartin Bresch und Werner Schnepp in die Vorstandsarbeit der IGL eingebunden wurde, dachte ich an Peter Bayer, dessen Erfahrungen aus seinen Engagements in seinen Vereinen TuS Griesheim bei Darmstadt, TSG 1878 Heidelberg (seinem Heimatverein) und SC Baden-Baden, aber auch in den Leichtathletik-Kreisvorständen Darmstadt und Heidelberg doch auch unserer IG(Ä)L nützlich sein könnten. An die zehn Jahre waren wir gemeinsam im Vorstand der IGL tätig und ich hatte einen der zuverlässigsten, fach- und sachkundigsten Kollegen an meiner Seite.

Als ich den IGL-Vorsitz aufgab übernahm Peter Bayer diese Aufgabe. In den nun folgenden Jahren entstanden Probleme, mit denen die IGL belastet wurde. Schwieriger, weil komplexer und weil der damit verbundene Umgangston rau bis unappetitlich wurde - intern bedingt, man bedenke! Seine Amtsführung war und ist, trotz solch interner Querelen, ohne Tadel, trägt deutlich seine Handschrift und die IGL ist ihm - wie auch seinen Vorstandskollegen - eine Menge Dank schuldig.

Dem Vorsitzenden der IGL wünsche ich Gesundheit, Schaffenskraft und viel Erfolg im Dienst seines Amtes. Die persönlichen Wünsche für meinen Freund Peter Bayer unterscheiden sich nur dadurch, dass ich ihm für sein persönliches Wohlergehen für die kommenden Jahre ein leichteres Los wünsche. Vergessen darf ich auf keinen Fall die Frau an seiner Seite. Ohne ihre tatkräftige Unterstützung wäre für Peter manches schwieriger zu schultern gewesen. Die aktive Langstreckenläuferin kennt, wie ihr Mann, sowohl die Seite des aktiven Sportlers, als auch die des Funktionärsdaseins. Wenn sie auch gelegentlich seufzt: "Ich glaube, ich lebe im Leichtathletikzentrum Hessen-Süd", so ist sie, wie ihr Mann, dem Fortbestehen und der positiven Entwicklung der IGL fest verbunden. Liebe Gabriele Bayer, auch Dir sei Dank an dieser Stelle!

Lieber Peter Bayer: Weiter so und bleib´ gesund! Die IGL und Deine zahlreichen Sportfreunde bauen auf Dich!

Gusthelm Schläbitz

Jahreshauptversammlung 2004 in Herford
Verleihung der Ehrenmitgliedschaft an Prof. Gerhard Uhlenbruck (l.)

Laudatio des IGL Ehrenvorsitzenden Gusthelm Schläbitz anlässlich der Verleihung der Ehrenmitgliedschaft an Prof. Dr. Gerhard Uhlenbruck

„Es gibt ehrenvolle Lobreden, die einen salben wie bei der letzten Ölung.“ Diesen Aphorismus entnahm ich einem kleinen Buch, in dem ich sehr gern lese. Der Autor, den wir heute ehren wollen, ist eine international anerkannte Kapazität auf dem Gebiet der Immunologie/Immunchemie. Seine wissenschaftlichen Publikationen sind zahlreich. Seine Forschungsergebnisse vermögen nur hochspezialisierte Kollegen zu würdigen, denn wer vermag sich unter Lektinen etwas vorzustellen, selbst wenn hinzugefügt wird, dass es sich dabei um immunologische Erkennungsmoleküle handelt. Fachkreise sprechen von Lectinology, den von uns zu Ehrenden haben sie den Titel „Father of Lectinology“ verliehen, zu deutsch etwa Vater der Lektinologie. Daraus lässt sich schließen, dass er auf diesem Gebiet die biochemische Forschung wesentlich vorangebracht hat.

Bei allem Respekt vor seinen wissenschaftlichen Leistungen: Wir wollen hier und jetzt einen der Unseren ehren, einen gestandenen Langstreckenläufer, der zwar laufend auf den Gedanken kam, dass Sport vor allem Ausdauersport, mit unserem Immunsystem in enger Beziehung steht, und der bei all´ seinen Arbeiten den Aspekt der Ausdauer nie außer acht ließ, wodurch seine Forschungsergebnisse auf dem Gebiet der Sportimmunologie richtungsweisend wurden.

Ich spreche hier und jetzt über Prof. Dr. med. Gerhard Uhlenbruck, dessen sportliche Meriten ich allerdings zu nennen mich verpflichtet fühle:

1984 - Deutscher Meister der langlaufenden Ärzte und Apotheker in der AK 50
über die Marathondistanz.
1994 - Deutscher Meister der radfahrenden Ärzte und Apotheker in der AK 60
sowohl im Zeitfahren, als auch im Straßenrennen.
In der M 70 war er zweimal Finisher beim Kölnmarathon.

Uns von der IGL ist er in bester Erinnerung durch seine Vorträge, bei denen er demonstrierte, dass die Vermittlung von komplexem Fachwissen kurzweilig und unterhaltend sein kann, was auch seine Studenten und Mitarbeiter zu schätzen wussten, wie Prof. Josef Beuth einmal schrieb. Gerd Uhlenbruck selbst meinte dazu, dass ein Erfolgsmensch den Lacherfolg mit einplane. Kein Zweifel: Gerhard Uhlenbruck ist ein Erfolgsmensch. Wenn dieser Terminus für den einen oder anderen einen nicht gerade angenehmen Beigeschmack hat, weil er dabei an die sprichwörtlichen Ellenbogen denkt, so bedeutet dem gegenüber das Uhlenbrucksche „Erfolg haben“, den Menschen zu respektieren und ihm zu helfen, wenn der es denn zulässt. Vielleicht ist hier ein Zitat von Karl Jaspers hilfreich, der Gerd Uhlenbruck seinen „Aphoristischen Sticheleien“ mit dem bezeichnenden Titel „Nächstenhiebe“ voranschickte:
„Nicht der Mensch als Daseinsexemplar, sondern der Mensch als mögliche Existenz ist liebenswert.“
Hier möchte ich nun den Vorsitzenden des Verbandes der langlaufenden Ärzte und Apotheker, Prof. Dr. Kothe, zu Wort kommen lassen. Er schrieb zum 75. Geburtstag seines Kollegen:
„Wer ihn kennt, freut sich nicht nur über einen allzeit gut aufgelegten Menschen, sondern erkennt auch dahinter den romantischen Melancholiker mit einer etwas resignativen Lebensweisheit, einen optimistischen Pessimisten, der hofft, dass das Gegenteil von dem, was man befürchtet, eintritt.“

Unser langjähriges IGL-Mitglied ist Wissenschaftler, Langstreckenläufer und beliebter Kamerad. Aber er ist auch ein Philosoph, der sich als solcher nicht durch abstrakte Denkmodelle, sondern durch seine Aphorismen zu erkennen gibt. Nicht zuletzt deshalb nenntman ihn „doctor humoris causa“. Und genau dem und dem Philosophen gilt meine Zuneigung. Ich hoffe, meine Zuhörer werden mein Empfinden nachempfinden können, wenn ich sie zu einem kurzen Streifzug durch die Uhlenbruckschen Aphorismen einlade. Der Autor definiert sie als „Gedankensprünge in einem Satz“ oder auch als „der langen Rede kurzer Sinn“. Unter seinen Aphorismen finden sich Lebensweisheiten und Lebensregeln:

Was man aus seinem Leben macht, macht das Leben aus.
Man meistert das Leben, wenn man zeitlebens Lehrling bleibt.
Das Unheil in der Welt kommt nicht zuletzt durch diejenigen, welche mit Gewalt eine heile Welt wollen.
Um die Menschen nicht hassen zu müssen, sucht man nach ihren kleinen liebenswerten Fehlern.
Ein Mensch wird erwachsen, die Menschheit nie.
Der kategorische Konjunktiv: Was wäre, wenn der kategorische Imperativ sich durchsetzen würde?

Anmerkungen zum Beruf, zur Karriere, zum Erfolg:

Zum Beruf: Er war immer konform, das hat ihn so deformiert.
Die Arbeit sollte einem nicht über den Kopf wachsen, sondern der Kopf sollte einem über der Arbeit wachsen.
Es gibt nicht nur den Therapeuten als Beruf, sondern auch den Beruf als Therapie.
Zur Karriere: Vom fertiggemachten Mann zum gemachten Mann, der andere fertigmacht.
Höchste Eisenbahn, dass man zum Zuge kommt.
Wenn die Karrierekurve charakteristisch nach oben geht, gibt es charakterlich einen Knick nach unten.
Ein Mann ohne feste Stellungnahme ist meist ein Mann in einer festen Stellung.

Zum Sport: Läufer sind Krankenscheinheilige, sie benutzen ihn fast nie.
Sport gibt dem Leben Form und Format, formuliert aber nicht den Inhalt des Lebens.
Weil er nicht schnell genug war, machte man ihn zur Schnecke.

Lieber Gerd,
aus Deinen Aphorismen spricht manchmal Besorgnis, Skepsis, Bissigkeit, sogar Bitterkeit. Es führt einen aber doch zu dem Schluss, dass Dir das Wohl der Menschen, und über Deine Forschung der Menschheit, am Herzen liegt. Deshalb möchte ich mit einem kurzen Gedicht von Fred Endrikat schließen, bei dessen Versen ich denke, Du könntest damit gemeint sein:

„Ein Menschenfreund zu sein ist nicht so schwer,
wenn Blick und Urteil rein und ungetrübt.
Ein wahrer Menschenfreund ist aber der,
der Menschen kennt – und sie doch trotzdem liebt.“

In der Hoffnung, dass diese Ehrung nicht so salbungsvoll wurde, dass sie Dich zur letzten Ölung treiben könnte, halte ich jetzt die Klappe!

Zitate entnommen aus:

DENKANSSTÖSSE OHNE KOPFZERBRECHEN
Mentale Medizin gegen miese Mentalität
Ralf Reglin Verlag, Köln

APHORISMEN
sind Gedankensprünge in einem Satz
Ott Verlag Thun

NÄCHSTENHIEBE Aphoristische Sticheleien Verlag Josef Stippak, Aachen