Die Interessengemeinschaft der Langstreckenläufer e.V.
 

 

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I G (Ä) L
INTERESSENGEMEINSCHAFT (ÄLTERER) LANGSTRECKENLÄUFER
- Die Geschichte unseres Verbandes -

Eine Serie von Günter Scharf und Gusthelm Schläbitz

Ein Vorwort

WER SEINE GESCHICHTE NICHT KENNT;
FINDET SICH IN DER GEGENWART NICHT ZURECHT
UND VERMAG SEINE ZUKUNFT NICHT ZU GESTALTEN.
(Redensart - vermutlich aus dem Griechischen)

Unsere IGL (früher IGÄL) ist - nimmt man das Datum des Eintrages ins Vereinsregister beim zuständigen Amtsgericht als ihren Geburtstag - gerade mal 39 Jahre alt. Noch so jung! Warum denn jetzt schon ihre Entstehung und ihren Werdegang aufzeichnen? Hat das nicht noch Zeit? Wir meinen: "Nein!"

Wir - wir sind ein Duo, bestehend aus dem von der IGL bestellten Chronisten Günter Scharf und meiner Wenigkeit, dem Ehrenvorsitzenden der IGL, Gusthelm Schläbitz. Wir meinen, die Geschichte der IG(Ä)L jetzt aufzeichnen zu müssen, weil von den Gründungsvätern der ersten Stunde viele ihren Lebenslauf schon vollendet haben, weil die noch lebenden Zeitzeugen auch nicht mehr die Jüngsten sind, und weil die IGL-Mitglieder der zweiten Stunde - zu denen ich mich zähle - auch schon betagt sind.

Schon lange vor dem Eintrag der IG(Ä)L ins amtliche Vereinsregister (dazu mehr im Hauptteil)gab es Wünsche, existierten Planungen und waren Bestrebungen im Gange, auf der Basis der Ausdauer und ihrer Sportarten, sowohl den Breiten-, als auch den Seniorensport, aufzubauen und zu fördern. Stammt doch die profunde Arbeit "Schnelligkeit durch Ausdauer - das Waldnieler Lauftraining der reinen Ausdauermethode und ihre Begründung" bereits aus dem Jahre 1947. Ohne den Verfasser dieses Werkes, Dr. Ernst van Aaken, wäre unsere IG(Ä)L in der Form, in der wir sie heute kennen und lieben, nicht entstanden. Es ist an der Zeit. Schreiben wir´s also auf!

Einleitung

Die Geschichte der IG(Ä)L, die wir nun aufzeichnen und die wir als Fortsetzungsserie in unserer condition veröffentlichen wollen, basiert zum weitaus größten Teil auf der Arbeit, die Günter Scharf als Gastreferent an der Deutschen Sporthochschule Köln zwischen 1992 und 1998 u.a. auch zu diesem Thema dargelegt hat:
"Sport für alle!?' Breitensportentwicklung im internationalen Vergleich."

Dieses Thema gliedert sich in: "Die Interessengemeinschaft Älterer Langstreckenläufer (IGÄL) als Motor der ‚Trimm - Trab'- Aktion des DSB und des DLV im Vergleich zur ‚Jogging'- Bewegung in den USA, sowie zum Sportlerleben Arthur Lamberts." Diese Arbeit beinhaltet das Material und die Quellenangaben, die es uns ermöglichen, die Geschichte der IG(Ä)L zu schreiben. Meine Arbeit ist dabei, die streng wissenschaftliche Faktensammlung und Sprache in einen quasi lockeren Plauderton zu übertragen (unter kritischer Begleitung des Chronisten). Wer an dem erwähnten Urtext interessiert ist, der möge sich an den Autoren persönlich wenden: Günter Scharf, Dachsweg 8, 42899 Remscheid.
Ermöglicht wurde dieser Fundus (in zeitlicher Reihenfolge) durch: Hanny Lambert, Ina und Klaus Wester, Georg Reinmuth, Friedel Stracke, Familie van Aaken, Karl-Heinz und Bettina Schäfer, Dr. Karl Lennartz, Professor Dr. Wildor Hollmann und Willi Haman. Ihnen allen sei hier ganz herzlich gedankt.

1. Teil: Die Entstehung der IG(Ä)L

Es ist keine Frage: Der Wunsch, über das zeitübliche Alter von ca. 35 Jahren hinaus weiter Sport zu treiben, spukte schon in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts durch viele Köpfe, und nicht nur hierzulande. Es ist ebenso wenig eine Frage, dass es die Vision des Arztes Ernst van Aaken war, den Seniorensport vor allem auf dem Sektor der Ausdauersportarten zu betreiben, hatte er doch durch sein intensives Arbeiten und Forschen auf dem Gebiet der Rolle des Sauerstoffs im Zellstoffwechsel so viele Fakten gesammelt, dass er die daraus resultierende Trainingslehre schon 1947 herausgeben konnte: "Schnelligkeit durch Ausdauer - das Waldnieler Lauftraining der reinen Ausdauermethode und seine Begründung". Dieses Werk ist die theoretische Basis, auf der heute noch jedes Mittel- und Langstreckentraining aufbaut, natürlich unter Berücksichtigung der neu gewonnenen Erkenntnisse der betreffenden Wissenschaftszweige und Trainer. Gleichzeitig ist dieses Werk Grundlage des modernen Breitensports, vor allem des Seniorensports. Die Erkenntnisse des Dr. Ernst van Aaken ließen die Interessengemeinschaft Älterer Langstreckenläufer (IGÄL) entstehen. Wie nun geschah das?
Bei Langlaufveranstaltungen, wie dem Paderborner Osterlauf zum Beispiel, trafen sich auch "ältere" Läufer, die zwar das Hochleistungsalter schon hinter sich hatten, die aber noch gerne an Wettbewerben teilnahmen. Natürlich tauschten diese Läufer, die dem Twenalter entwachsen waren, ihre Erfahrungen über ihre altersbedingte Situation und auch über ihre Trainingsmethoden aus. Ernst van Aaken suchte diese Läufer, die seine ureigene Klientel war: Ältere, vom vorherrschenden Intervalltraining nach Freiburger Art geprägte Langstreckenläufer, die ihrem Sport treu bleiben wollten, wenn sie auch von dem einen oder anderen spöttisch belächelt, oder auch gelegentlich provoziert wurden (Nanu, Opa, hast du dich verlaufen?), und das nicht nur von den "Jungen", sondern auch von den Offiziellen. Zu ihnen sprach Dr. van Aaken. Es war nicht nur zu hören, dass er genau wusste, worüber er redete, nein, seine Art zu argumentieren konnte motivieren und sogar begeistern. Er konnte wie ein Missionar predigen, wenn es um Laufen auf Ausdauerbasis ging. Das war sein Thema, sein Spezialgebiet, es waren seine Forschungsergebnisse. Bis auf Professor Dr. Wildor Hollmann, der sich zu Beginn der 60er Jahre dieser Thematik angenommen hatte, ist mir kein weiterer europäischer Wissenschaftler bekannt, der so erschöpfend auf diesem Gebiet geforscht hat. In den USA allerdings forschte man auch auf diesem Gebiet, wie unser Chronist in seinem Quellennachweis aufzeigt (Roby/Jarvis/Cooper/Mitchell). Merken wir uns aber schon hier vorweg: Der deutsche Senioren- und Breitensport (die Volksläufe vor allem) und die Integration der Frauen in die Langlaufdisziplinen wären ohne Ernst van Aakens Arbeiten, Visionen und seinen persönlichen Einsatz wohl kaum auf den Wertschätzungsrang gelangt, den sie heute - wohl mit Recht - erreicht haben.

Die Pioniere der IGÄL Meinrad Nägele und Dr. Ernst van Aaken beim Training in Waldniel

Aber kommen wir zurück zur IGÄL-Geschichte. Beim Paderborner Osterlauf 1960 soll Ernst van Aaken die Anregung gegeben haben, sich bei den folgenden deutschen Marathonmeisterschaften in Celle zu treffen, um dort den "Verein der älteren Langstreckenläufer" zu gründen, wobei er weniger an einen Verein, als an eine lockere Vereinigung dachte, die regelmäßige Treffen anstreben sollte, um Seniorenlauf und Ausdauertraining zu fördern. Dies geschah erst im Jahre 1961 beim 1. Internationalen Pfingststraßenlauf in Humfeld/Lippe. Die Bezeichnung "Verein" änderte man in "Interessengemeinschaft", wohl um deutlich zu machen, dass man keinen Verein im hergebrachten Sinne gründen wollte. Gleichzeitig wurden hier bereits die Rundbriefe als verbindendes Medium angekündigt. Sicher lag es vor allem an fehlenden Organisationsstrukturen der Interessengemeinschaft, dass der erste Rundbrief erst Ende 1964 erschien. Im Jahre 1963 organisierte Otto Hosse (aktiver Ruderer) den ersten Volklauf in Deutschland (Böblingen), der auf Anhieb 1.652 Teilnehmer hatte und in dessen Ausschreibung bereits die Altersklassen (10-Jahreseinteilung) festgelegt waren, die die Interessengemeinschaft der Älteren Langstreckenläufer als eine ihrer ersten Forderungen aufgestellt hatte. Ob und inwieweit Otto Hosse von Dr. van Aaken, der IGÄL und ihren Forderungen wusste, ist aus unseren Unterlagen und Quellen nicht ersichtlich. Jedenfalls ging Otto Hosse mit seiner großartigen Initiative zum Deutschen Leichtathletikverband (DLV), der die schnell wachsende Volkslaufbewegung unter seine Fittiche nahm und Otto Hosse zum DLV - Volkslaufwart machte. Im selben Jahr notierte sich Meinrad Nägele, einer der ersten van-Aaken-Jünger, bei einer Laufveranstaltung in Essen achtzig Anschriften von Läuferinnen und Läufern, die ihr 40. Lebensjahr vollendet hatten und die Interesse am Seniorenlauf und den geplanten Rundbriefen zeigten.
Im Dezember 1964 brachte Meinrad Nägele den ersten Rundbrief heraus, dem 1965 die zweite, dritte und vierte Ausgabe folgten, vierteljährlich, herausgegeben von M. Nägele und Dr. van Aaken, der hier das ideale Sprachrohr gefunden hatte, seine ganz spezielle Klientel, die "älteren" Langstreckenläufer, zu erreichen. Wir nehmen heute 1964 als Gründungsjahr der IGÄL an, weil

  • ein Rundschreiben vom 18.12.1964 für die IGÄL wirbt (unterschrieben von Dr. Ernst van
    Aaken, Dr. Heinz Mennecke und Meinrad Nägele),
  • im Dezember 1964 die erste Mitgliederliste von Willi Haman (Geschäftsführer) erstellt
    wurde,
  • mit dem ersten Rundbrief die Interessengemeinschaft der Älteren Langstreckenläufer die
    Sportszene offiziell betreten hatte.

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