Die Interessengemeinschaft der Langstreckenläufer e.V.
 

 

[Zurück zur Kurzfassung] Seite 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12

 

 

 

 
I G (Ä) L
INTERESSENGEMEINSCHAFT (ÄLTERER) LANGSTRECKENLÄUFER
- Die Geschichte unseres Verbandes -

Eine Serie von Günter Scharf und Gusthelm Schläbitz

 

8. Teil: Die Vorstände wechseln weiter

1986 - Der Vorstand steht vor schwierigen Problemen. Da ist zunächst die condition: Die Zusammenarbeit zwischen der IGÄL und dem Meyer & Meyer Verlag einerseits, Werner Sonntag und dem Verlag andererseits, gestaltet sich zunehmend unfreundlich. Die Kosten stiegen über das erwartete Maß hinaus. Der Vorstand stand hinter Werner Sonntag und hielt seine Ansicht für richtig, aus der condition ein vollwertiges Sportmagazin zu machen. Man versprach sich davon eine positive Ausstrahlung auf die IGÄL. Es kriselte immer heftiger um die Zeitschrift. Manfred Steffny bot sich als Verleger für die condition an. Der Vorstand entschied sich auf Vorschlag Werner Sonntags für den Freiburger Kehrer-Verlag. Vor Ort sollte der Stützpunktleiter die redaktionelle Arbeit leisten. Zum Jahresende wurde der Wechsel vollzogen. Die WIGÄL-Europabestenkämpfe wurden nach Arolsen vergeben. Es erhob sich Widerspruch bei den Mitgliedern, die als Austragungsorte Nürnberg oder München vorgezogen hätten. Zur Situation WIGÄL/WAVA/IAAF traten die Widersprüche zwischen dem Vorstand und dem Auslandsbeauftragten Werner Hamm immer deutlicher zu Tage. Der Vorstand beschloss, sich von Werner Hamm zu trennen. Auf der Jahreshauptversammlung in Arolsen wurde G. Schläbitz in das Amt des Auslandsbeauftragten gewählt. In der Geschäftsstelle trat ein Wechsel ein. Hanny Lambert und Angela Uphus übergaben ihre Aufgaben an Elisabeth Reinmuth. Die Europabestenkämpfe in Arolsen gerieten in die Kritik: Der Streckenverlauf des 25 km-Laufes wurde als zu "crossig" befunden. Ferner kam es zwischen den WIGÄL-Vertretern und den Veranstaltern zu Differenzen. Ebenso zeigte die Organisation Schwächen und Mängel, die durch das Eingreifen des Bremer Organisators Heinz Spies noch stabilisiert werden konnten. Die WIGÄL-Weltbestenkämpfe in Vancouver waren gleichzeitig Tagungsort des Präsidiums. Die WIGÄL bereitete weiter den Zusammenschluss mit der WAVA vor, während die kanadische Delegation die Kassenführung der WIGÄL heftig kritisierte. Seitens der IGÄL werden die Fusionspläne der WIGÄL unterstützt. In Wuppertal fand ein weiterer Arthur-Lambert-Gedächtnislauf statt, dessen Bezug zu Arthur Lambert aber kaum noch zu erkennen war. Hans Jürgensohn veröffentlichte eine Arbeit zur Entstehung der condition, in der er Positionen vertritt, für die es keinerlei Anhaltspunkte in der IGL-Chronik zu finden gab. (Siehe dazu auch Anmerkung von Werner Sonntag zur Chronik der IGL).

1987 - Der Wechsel der condition zu dem neuen Verlag entwickelte sich zu Ungunsten der IGÄL. Die Kosten explodierten förmlich. Gründe u.a.: alle Arbeiten wurden honoriert, das Anzeigenaufkommen ging rapide zurück, die Mehrwertsteuer ging zu Lasten der IGÄL, die Kasse geriet in Schieflage. Die Europabestenkämpfe in Arolsen erbrachten ebenfalls ein Defizit (DM 1.500,--). Die Veranstalter erwarteten Hilfe von der IGÄL. Der Vorstand befand, dass er Konsequenzen ziehen müsste und kündigte - fast geschlossen - seinen Rücktritt an. Auf der Jahreshauptversammlung in Arolsen wurde dieser Vorstand gewählt: Gusthelm Schläbitz (Vorsitzender), Ina Wester und Dr. Hansmartin Bresch blieben in ihren Ämtern, in das Amt des Schatzmeisters wurde Georg Reinmuth gewählt. Der neue Vorstand analysierte im Verlauf der nächsten Zeit die Situation des Verbandes: Die IGÄL-Familie/Gemeinschaft zeigte starke Auflösungserscheinungen. In erster Linie interessiert die Mitglieder "das eigene Laufen". Durch das breitgefächerte Wettkampfangebot für Langstrecken über alle Distanzen ging der Kristallisationspunkt IGÄL verloren. Hinzu kam, dass die gemeinsamen Reisen zunehmend an Teilnehmern verloren, weil die Mitglieder einmal ihre Reisen individueller gestalten wollten und nach preiswerteren Alternativen suchten. Die Europabestenkämpfe in Karlovy Vary/CSSR wurden eine besonders eindrucksvolle Veranstaltung. Es kam zu intensiven Begegnungen mit Läufer/Innen aus dem Ostblock und vor allem der DDR. Emil Zatopek war Ehrengast und wurde von den Läufern begeistert gefeiert, wo immer er auftauchte. Im Oktober etablierte sich in der Nähe von Hanau der 2.500 Lauftreff, und am 31. Oktober gelang der auf Initiative von Harry A. Arndt gegründeten DUV (Deutsche Ultra-Marathon-Vereinigung) der große Durchbruch: An diesem Tage fanden die ersten Deutschen 100-km-Meisterschaften statt, die Weltbestenkämpfe der WIGÄL im März in Netanya/Israel. Die WIGÄL beauftragte ihren Vorstand, den Weltverband als gleichberechtigten Partner in die Fusion mit der WAVA einzubringen. Die Aussichten, dieses Ziel zu erreichen, waren allerdings chancenlos, denn 1986 in Blackpool hatte die WIGÄL den Fusionsbeschluss schon gefasst. Vor allem aber hatte der IAAF unmissverständlich klar gemacht, er werde nur einen Veteranenverband anerkennen, und zwar den unter seinem Dach.

1988 - Die condition stand weiter im Brennpunkt des IGÄL-Geschehens. Chefredakteur Werner Sonntag versuchte, die Zeitschrift als offizielles Organ für die Lauftreffs (im DLV-Auftrag) zu installieren. Demgegenüber standen die geschäftlichen Interessen des DLV, der diesen Titel - offizielles Organ des DLV - nur gegen eine Lizenzgebühr (über die Agentur Roth & Lohre) vergeben wollte. Dies ließ die Kassenlage des Verbandes aber nicht zu. Dazu stellte sich mehr und mehr heraus, dass die Zusammenarbeit IGÄL / Kehrer-Verlag zu wünschen übrig ließ. Andererseits entstanden Differenzen zwischen Werner Sonntag und der IGÄL. Der Vorstand wünschte sich mehr IGÄL-interne Berichterstattung, was Sonntag als "Vereinsblatt-Niveau" ablehnte. Allen Bemühungen zum Trotz wurde aus den Differenzen eine Konfrontation Vorstand versus Chefredakteur. Vor allem missfiel dem Vorstand die Tatsache, dass der Freiburger Verlag in Sachen Akquisition von Inseraten nicht tätig werden wollte, weil man in Freiburg der Meinung war, dies sei vor allem Sache der IGÄL. Der Vorsitzende wollte den Vertrag zwischen Kehrer und der IGÄL lösen. Werner Sonntag beharrte dagegen auf der weiteren Zusammenarbeit mit Kehrer. Darauf stellte der Vorsitzende ein Ultimatum: Entweder Auflösung des Kehrer-Vertrages oder Rücktritt des Vorsitzenden. Man beschloss, eine Denkpause einzulegen. Dann erreichte die Kündigung von Werner Sonntag den Vorstand. Die condition blieb aber drängendstes Problem der IGÄL. Auf der Jahreshauptversammlung in Arolsen schlug der Vorstand ein Fünf-Punkte-Programm vor, um das Innenleben der IGÄL zu aktivieren. Die Umsetzung dieses Programms erforderte aber Investitionen, die die Kassenlage der IGÄL nicht zuließ. Ein Lichtblick in dieser Zeit war die Gründung der IGÄL Tirol. Mit Sportkameraden aus Österreich wurde diese Gründung auf Teneriffa geplant und vorbereitet. Ende September kam es auf dem Mieminger Plateau zu einem Freundschaftslauf, der bei den angereisten Verbandsmitgliedern auf freudige Zustimmung stieß. Im Oktober traf sich die WIGÄL zu ihren letzten Weltbestenkämpfen in Kyong-Ju/Südkorea. Hier fand nun, wie geplant, die Fusion der WIGÄL mit der WAVA statt, was die Auflösung der WIGÄL bedeutete. Die nationalen Veteranenverbände entfernten das IGÄL-Logo (Unendlichkeitszeichen) aus ihren Emblemen. Nur die japanische IGÄL (Nippon Turtles) und der deutsche Verband behielten ihren Status, waren aber gehalten, international im Rahmen ihrer Landesverbände zu agieren. Sitz und Stimme in den betreffenden DLV-Delegationen wurden der IGL zugesichert. Mit Ende des Jahres 1988 gestatteten die Behörden der DDR die Einfuhr von Fachzeitschriften aus dem Kapitalistischen Ausland. Die condition zählte dazu. Die IGÄL schickte an alle DDR-Läufer, deren Adressen bekannt waren, die Ausgaben der condition - natürlich kostenlos. Zu Beginn waren es etwa 40. Daraus ergaben sich weitere Anfragen. Täglich erhielt die IGÄL neue Adressen. Zuletzt wurden über 600 Exemplare jeder Ausgabe mit einem enorm hohen Kostenaufwand an die DDR-Sportler versandt. Der Vorstand bereitete nunmehr einen Antrag beim Ministerium für gesamtdeutsche Fragen vor, um einen Zuschuss zu dieser Aktion zu bekommen, denn mit jeder Anfrage aus der DDR stiegen auch die Kosten für die angeschlagene IGÄL-Kasse. Der anschließend vom Gesamtdeutschen Institut gezahlte Zuschuss konnte jedoch bei weitem nicht die tatsächlich entstandenen Kosten decken.

Richtigstellung

Werner Sonntag, Journalist und arrivierter Langstrecken- und Ultralangstreckenläufer übersandte uns zu unserer Chronik folgende Anmerkung, für die sich die IGL und das Autorenteam bedanken:

"Lieber Gusthelm, liebe Sportfreunde,
Otto Hosse mit Sportfreunden hat den 1. Volkslauf an seinem Wohnort Bobingen bei Augsburg veranstaltet (nicht Böblingen). Ich bestätige die Angabe von Dr. Borchers: Der 1. Frauenmarathon war von Roland Mall beim Schwarzwaldmarathon (ich meine 1968) ins Leben gerufen worden. Dies war van Aaken offenbar nicht bekannt. Die Umwandlung der "Rundbriefe" in eine Zeitschrift vollzog Hans Jürgensohn (von der Werbeabteilung von Hoechst), von ihm stammt auch der Titel "Condition". Wie wahrscheinlich bekannt, ist Jürgensohn, wenn ich mich echt erinnere, im vorletzten Jahr gestorben.

Unna und Rodenbach haben leider nie auch nur annähernd die Teilnehmerzahlen von Biel erreicht. Rodenbach war schon wegen des Zielschlusses immer nur ein Lauf für relativ leistungsstarke Läufer und Läuferinnen.

Mit guten Wünschen und freundlichen Grüßen
Werner Sonntag"

[weiter...]

[Zurück zur Kurzfassung] Seite 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12